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Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz |
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Zu,
Ferrum Sidereum House
of Mythology, 2026 - 11 Songs, 79 Min. Die
italienische Band Zu gibt es seit rund 25 Jahren und wir konnten die
Wucht ihres Spiels und die erhabene Schönheit
der Musik auch hierorts bereits bewundern und bestaunen. Ihr seht
schon, das wird wohl keine wirklich kritische Würdigung
des aktuellen Albums namens Ferrum Sidereum. Zu
ist ein Trio in der Besetzung Baritonsaxophon (Luca T. Mai), Bass
(Massimo Pupillo) und Schlagzeug (Paolo Mongardi). Sie alle bedienen
zusätzlich
elektronische Klangerzeuger und sind musikalisch in allerlei
Richtungen anschlussfähig.
Jazz und Punk finden sich ebenso, wie Progrock und eine ordentliche
Ration Metal. Wobei Prog im Fall dieses aktuellen Albums via
Mellotron-Klängen
deutlichere Spuren hinterlässt
als zuletzt. Und Prog findet sich auch im spirituelle Hintergrund
dieser überaus
und in jeder Hinsicht üppigen
Produktion. Diese lag in den fähigen
Händen
Marc Ursellis, die dem Sound besondere Wucht und Weite verlieh. Ferrum
Sidereum heisst das aktuelle Album der italienischen Avantgarde-Band
Zu. Zu deutsch Meteor- oder Himmelseisen. Das findet nicht nur in der
Homöopathie
Verwendung. Gerade in der Antike besass dieser spezielle Stoff
spirituelle Bedeutung, die sich in vielen Formen ausdrückte.
Die Musik von Zu ist getränkt
von diesem Hintergrund, was sich zumeist in energetischem Fluss und
massiven Ausbrüchen
äussert.
Aber pure Brachialität
trägt
nicht unbedingt über
üppige
80 Minuten Spielzeit und so finden sich immer wieder auch Punkte des
Innehaltens, der Atempausen, des Nachsinnens über
die Themen, die die Titel dieser Tracks beschwören:
Von Golgatha über
die nur mit der Sonne bekleidete alchemistische Frau, von saturnischem
Furor bis Sterneneisen, das zu uns aus den Weiten des Kosmos spricht,
reicht das kunstvolle, philosophische unterfütterte
Tableau aun Klängen,
die uns diese einzigartige Band so grosszügig
präsentiert.
Ja, das mag mal anstrengen, aber es bläst
auch immer wieder den Kopf frei von Alltagsgedanken. Die Alchemie der
Klänge
beherrschen Zu wie wenig andere. Anspieltipps:
Golgatha, A.I. Hive Mind, La Donna Vestita Di Sole, Fuoco Saturnio, Ferrum
Sidereum Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 3.3.2026 Little
Simz, Lotus
AWAL
Rec., 2025 - 13 tracks, 49 Min. Simbiatu
Abisola Abiola Ajikawo
ist der reale Name der britischen Rapperin Little Simz, die inzwischen
zu den bedeutendsten Stimmen britischer Musik gehört. Lotus heisst
ihr aktuelles, 6. Album. Die Lotusblüte steht für Reinheit und
Neubeginn. Und der war wohl nötig, seit sich Little Simz von ihrem
bisherigen Producer hintergangen sah. So ist Lotus ein sehr persönliches
Album geworden. Und von „Little“ im wörtlichen Begriff kann ja
schon lange nicht mehr die Rede sein. Neuer
Produzent (Miles Clinton James), viele Gäste: Lotus ist ein sehr
vielstimmiges, abwechslungsreiches Album geworden. Auch mal rauh und
brüchig, dann wieder fröhlich und unbeschwert: Hier ist viel zu
finden und die Musikerin lässt ihr Publikum immer wieder ihr auf die
Pelle rücken. Da ist viel, das brodelt und sie umtreibt, da ist aber
auch die Freude am Neubeginn. Und allem, was sie sich unerschrocken
beigebracht hat. Auch wenn hier der Hip Hop nicht neu erfunden wird,
Little Simz verleiht ihm hier ihre eigene, unüberhörbare Stimme. Little
Simz ist eine sehr vielseitige Künstlerin, die auch schon als
Schauspielerin gearbeitet hat. Nach dem Zerwürfnis erwog sie sogar,
die Musik aufzugeben. Das wäre sehr schade gewesen. Lotus markiert
einen Neubeginn. Und wo andere womöglich ein Rachealbum inszeniert hätten,
geht Little Simz ziemlich rasch über die Sache hinweg, nämlich mit
dem knappen Einstieg. und danach entfaltet sich ein Panorama zeitgenössischen
Hip Hops. Sphärische
Klänge,
anschwellende Streicher, Gitarrenparts und theatralische Choräle
treffen auf die heavy bouncenden Beats einer Old-School-HipHop-Pose.
Wie der Soundtrack eines Spielfilms umgarnen, tragen oder kicken sie
die ebenso prägnanten
wie pointierten Worte von Little Simz.
Keine Therapiestunde ist hier vonnöten, nur die selbstbewussten und
rotzigen Worten dieser Künstlerin. Anspieltipps:
Flood, Young , Hollow, Lion,
Enough, Blood Hans
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Z, 3.3.2026 Hayward
x Dälek (same)
Relapse
Rec., 2025 - 9 tracks, 54 Min. Zwei
Undergroundlegenden folgen einer Einladung zum gemeinsamen
Musikmachen, finden rasch zusammen und erfreuen unser dunkles Herz mit
einem düster brodelnden Ergebnis. So liesse sich Hayward x Dälek
kurz und knapp zusammenfassen. 2023 trafen sich The Heat-drummer
Charles Hayward und der Rapper und Produzent Will Brooks bei
Samarbeta, einer KünstlerInnenresidentur im UK. Dort nahmen sie Musik
auf, gleich darauf ergänzte Brooks aka Dälek seine Worte und in
weniger als einer Woche lag die fiebrig pulsierende Suite aus Klang
und Text vor, die wir nun auf uns einwirken lassen können. Hayward
x Dälek verbindet zwei Generationen, zwei Kontinente und vor allem
die Unerschrockenheit, Neuland zu entdecken. So finden sich hier Hip
Hop, Impro, Ambient und rhythmischer Furor in variablen Mengen
verschmolzen, aber immer voller Spannung und Intensität. Der aktuelle
Zustand der Welt hat deutlich Spuren hinterlassen, was Dälek in
schmerzerfüllte Worte fasst. Aber es bleibt nicht nur laut (und
komplex). Hayward x Dälek sind wie wir alle nur Gäste auf diesem
Planeten und widmen diesem Gedanken eine langen, introspektiven track.
Dann aber kehren Beklemmung und Unruhe mit Macht zurück, bleiben aber
irritierend verspielt und hautnah kompromisslos. Wer düstere Sounds,
langen Atem und Hip Hop fern aller Klischees schätzt, ist hier genau
richtig. Am
15.4. kommt Dälek in den Soft Spot. Und
dazu gibts dann noch ein neues Album. Anspieltipps:
Increments,Breathe Slow, Asymetric, As Children Chant Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 3.3.2026 Uboa
& Whitehorse, The
Dissolution of Eternity Tartarus
Rec., 2025 - 2+5 tracks, 23 + 23 Min. Whitehorse
sind ein australisches Doom-Biest und nicht zu verwechseln mit den
kanadischen Folkies. Sie steuern zwei epische tracks bei auf einem
Split mit ihrer Freundin, dem Catgirl of Noise Xandra Metcalfe aka
Uboa. Ambient, glitch und Hypernoise treffen auf erdige Metalklänge,
getrennt von den zwei Seiten einer, nun ja, Schallplatte. Die Ewigkeit
ist bei The Dissolution of Eternity auch nicht mehr, was sie mal war.
Sie trudelt, zerfällt und ist am Ende. Aber zuerst wird sie zerdehnt.
In unserer kurzlebiger Zeit ist das natürlich paradigmatisch. Nachdem
Whitehorse die schöne Ewigkeit durch den Wolf gedreht und zertrampelt
haben, steht Uboa bereit, mit dem Rest aufzuräumen. Das heisst, sie
verwandelt ihn in dröhnende, taumelnde, geschredderte, zuletzt
erleuchtete Klangschlieren. Hinter Uboa steht die australische Künstlerin
Xandra Metcalfe, die sich seit mehr als zehn Jahren in den
Randbereichen visceraler Musik umtut, wobei Doom am Anfang stand.
Uboa, ihr Namensgeber, ist übrigens ein schreiendes Gespenst aus
einem alten japanischen Computerspiel. Quelle ihrer Kunst ist leider
persönliches Leid, fussend in ihrer prekären Existenz als Transfrau,
zudem geschlagen mit Neurodiversität und anderen Beschwerden. So
sieht jemand und hört die Welt auf ganz eigene Weise, vermute ich,
wobei sich das allerdings sogar mit den Empfindungen eines alten
weissen Manns kurzschliessen lässt (soweit der jedenfalls gewillt
ist, sich darauf einzulassen, cis hin, queer her, maybe letzteres
hilft). Was für eine Verschwendung an Potential, könnte mensch
meinen, bevor es losgeht. Aber
auf einmal schält sich im weissen Nebel ein Song heraus, ätherisch
und melancholisch, ein bisschen wie selbstvergessenes singalong im Düsterwald.
Es gibt zwar allen Grund, ausser sich zu geraten (wann, wenn nicht
jetzt), aber vielleicht mal Anlass, diesen Geist nicht aus der Flasche
zu lassen. Sich mal nicht unterkriegen zu lassen von inneren Dämonen
und sonstigen Gespenstern. Sie dafür an die Hand zu nehmen, fest, und
den Griff nicht lockern. Und dann aus der Ferne ein Licht sehen, oder
jedenfalls eine Helligkeit. Und dahinstreben, mit Pomp und Glorie und
Zähigkeit. Und wenns das Letzte ist. Ich hoffe aber, dass Uboa sich
weiter Musik abringt, gerne unter besseren Umständen. Anspieltipps:
WH
Wringing Life - Uboa Wasted
Potential, The Apocalypse of True Love Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 3.3.2026 Zatokrev,
...
Bring Mirrors To The Surface Pelagic
Rec., 2025 - 8 Songs, 62 Min. Zatokrev
sind ungeachtet ihres Namens eine schweizer Band. Sänger und
Gitarrist Frederyk Rotter gibt auch unumwunden zu, das die Musik von
Neurosis inspiriert wurde, was ja keine schlechte Adresse ist. Auch
Crowbar wird gerne als Vergleich herangezogen. So erwartet uns auf
Album Nr. 6 ... Bring Mirrors To The Surface ein wuchtiges, von
Zeitlupen geprägtes Hörabenteuer.
Postrock
und Sludge geben sich bei Zatokrev ein, nun ja, eben nicht munteres
Stelldichein. Wucht und Emphase ziehen HörerIn in ihren Bann und
tonnenschweres Geriffe trägt die Songs wie Mühlsteine auf dem Weg in
den Abgrund voran. Wer gerne zähe Klangmassen über sich
zusammenschlagen hört, ist hier an der richtigen Stelle. Planvoll
eingestreut sind aber auch zarte Zonen des Zurückgenommenen, wo noch
ein wenig über die Klanggewalt dieser eindrücklichen Musik
nachgesonnen werden darf. Denn es geht immer auch unser Selbst und
sein Bewusstsein. Monumentaler,
ausladender Postrock auf Sludge Basis: Über die Jahre hatten sich
Zatokrev einen Ruf erarbeitet, dem sie nach 10jähriger Pause weitere
Taten folgen lassen. ... Bring Mirrors To The
Surface ist alles in allem aus einem Guss, wiewohl neben betont
brachialen und düsteren Teilen auch Momente fragiler Schönheit
aufleuchten. Für all das nimmt sich die Band aber auch Zeit. Jede
Menge Zeit. Über eine Stunde wird hier gezeigt, wo der Hammer im Teer
steckt. (Und die Seele im Sumpf). Für dieses Unterfangen haben sich
Zatokrev hochkarätige Unterstützung ins Studio geholt. Neben
Mitgliedern der US-Sludger Minsk und Ines Brodbeck (Inezona) übernehmen
mit Manuel Gagneux (Zeal & Ardor), Okoi Jones (Bölzer) und C.S.R.
(Schammasch) gleich drei Schweizer Szenegrössen Parts auf dem Album.
So ist das eine furiose Strecke Musik geworden, ein Reise über Gipfel
und Abgründe, vom hellen Licht anbrechender Tage zur rasenden Trübnis
brütender Melancholie. Und retour. Anspieltipps:
Red Storm, Blood,
Unwinding Spirits, Faint Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 3.3.2026 u
n d Case
Oats,
Last Missouri Exit - Merge Rec., 2025 Casey
Gomez Walker ist auf dem Weg. Die Singer/Songwriterin lässt ihre
Jugend hinter sich, begleitet von einer leichtfüssigen band. Mit
unverbrauchter Stimme besingt sie den Zwiespalt zwischen Heimat und
Selbstverwirklichung, die sich aber auch umarmen können. Nur eins
bleibt offen: Last Missouri Exit, das Strassenschild, das dem Album
seinen Namen gab - ist das jetzt Drohung oder Verheissung? Hilary
Woods,
Night Criú - Sacred Bones, 2025 Es
gibt eine Menge Sounds auf Hilary Woods neuem Album. Eine Nachtcrew
aus Flöten, einem Kinderchor, Blasorchester, diversen Stimmen,
Gitarre, Streichern, Klavier und Feldaufnahmen, die ein so stimmiges
wie nebulöses Dazwischen beschwören. Hilary Woods hat hier zu ihrer
Stimme zurückgefunden, aber richtig beruhigend ist das nicht. Mit
leiser Melancholie, aber auch voller Trost machen wir uns auf den Weg.
Stehenbleiben ist auch keine Lösung. |