Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten   

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Poliça, United Crushers, Memphis Industries, 2016 - 12 Songs, 43 Min.

Selten wurde mit soviel schimmernder Wärme über allerlei Unbehagen gesungen wie auf Poliças neuem, dritten Album United Crushers. Und anders als zuvor findet der Gesang binnen Minuten heraus aus dem Autotune-Korsett, das sie zuvor angelegt hatte wie eine Rüstung und das der Musik natürlich auch einen eigentümlichen Reiz verliehen hatte. Sängerin Channy Leaneagh und Produzent Ryan Olson gründeten Poliça 2011 in ihrer Heimatstadt Minneapolis. Justin Vernon, Chef der Gruppe Bon Iver, brachte Poliça kurze Zeit später ins Gespräch, als er in einem "Rolling-Stone"-Interview behauptete, Poliça sei die beste Band, die er je gehört habe. Vielleicht ein wenig übertrieben, aber uns gefiel die Musik auch, eine feinabgestimmte Melange aus Indie, Elektronik und Trip Hop. Im Zentrum der Stücke steht meist Leaneaghs charismatische Stimme, die spürbar am R'n'B amerikanischer Provenienz geschult ist. Durch den weitgehenden Verzicht auf Verfremdungseffekte geht es auf dem neuen Album ein ganzes Stück poppiger zu. Über den Albumtitel United Crushers sagt Leaneagh: "Das ist ein Graffiti in Minneapolis. Es ist quasi eine Hommage an Minneapolis und will sagen, dass wir gemeinsam einen Gegendruck auf die bösen Mächte der Dunkelheit ausüben müssen. Gemeinsam erschaffen wir etwas Gutes." Anstelle bunt blühender Blumenwiesen sieht sie nämlich beim Blick nach draußen "postindustrielle, urbane Landschaften, übersäht mit gebrochenen Versprechen." Die Musik zu diesen eher düsteren Gegenwartsbetrachtungen vibriert und pulsiert allerdings eher sanft, dabei mangelt es ihr aber nicht an einer gewissen Entschiedenheit. Das ist ja auch kein Gegensatz.

Ein Stück weit anders, quasi natürlicher, weist Poliças neues Album aber auch einen biographischen Hintergrund aus, den das Cover thematisiert: Channy Leaneaghs zweite Schwangerschaft, während der die Aufnahmen, nicht immer ganz einfach, stattfanden. Die Sorgen, die damit einhergehen, ein Kind in diese Welt zu setzen, finden immer wieder ihren Nachhall in den Songtexten. Aber auch die alltägliche Gewalt vor allem gegen farbige Menschen ist ein Thema, und natürlich diverses Zwischenmenschliches. Diese oft dystopischen Gedanken finden sich in einer soulunterfütterten, warmen Klangwelt eingebettet, deren diskrete Komplexizität sich oft nur nach genauerem Hinhören (die beiden Drummer!) erschliesst. Im bläsergestützten Song „Kind“ findet die Musik zu einem beinah hymnischen Höhepunkt, der zum Songinhalt zu einem gewissen Kontrast steht… Soft Power gegen die Widrigkeiten der Welt. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Album. Es ist kaum je direkt politisch, aber seine Schönheit birgt oft einen bitteren Kern. Da besteht natürlich die Gefahr, dass diese Inhalte ein wenig ins Hintertreffen geraten. Das wäre dann schon schade. Poliças neues Werk United Crushers hat mehr zu bieten als eine traumverloren schimmernde Oberfläche.

Anspieltipps: Summer please, Someway, Top Coat, Fish, Kind                        

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.5.2016 


The Comet Is Coming, Channel the Spirits, The Leaf Label, 2016 - 12 tracks, 40 Min.

Der Komet kommt, schreibt seine feurigen Zeichen ans Firmament. Was vorzeiten für Furcht und Entsetzen sorgte, ist heute für Viele vor allem ein bestauntes astronomisches Spektakel. Und doch trägt ein Komet seine Botschaft mit sich, eine Flaschenpost aus kosmischer Vergangenheit, die vor dem Vergehen noch einmal hell auflodert. Das Helle und Auflodernde findet sich in der frenetischen Musik eines Trios wieder, das sich – eben – The Comet Is Coming nennt und sein Album Channel the Spirits. Kosmische Kuriere haben mal wieder die Bühne betreten, vollziehen eine vorerst kleine Reise auf den Spuren Sun Ras und anderer beflügelter Boten aus unendlichen Weiten. King Shabaka, Danalogue the Conqueror und Betamax Killer zeichnen für ein Projekt verantwortlich, das die Prophezeiungen eines Nostradamus mit futuristischer Raketentechnik verschmilzt und seine Ziele als präzise Abpraller an schwarzen Löchern anvisiert. Die Schönheit hyperbolischer Flugbahnen wird federnd in intensive Musik übersetzt und sollte der Komet doch als Menetekel einer Katastrophe am Horizont erscheinen, so spielen die drei die eleganteste Weltuntergangsmusik dazu, die sich vorstellen lässt. Das Trio aus Saxophonist Shabaka Hutchins, Schlagzeuger Maxwell Hallet und Keyboarder Dan Leavers verschmelzen Jazz, Funk, Elektronik und Psychedelica als quecksilbrig schillernde Botschafter einer futuristischen Mehr-als-Tanzmusik. Die Vorgeschichte ist rasch erzählt: Hallet und Leavers spielten schon länger als psychedelisches Duo Soccer96 zusammen, als ihnen ein Konzertbesucher auffiel. Nun, es war niemand anderes als Shabaka Hutchins, unter manchem anderes auch Reed-Spieler bei der Jazzband Sons of Kemet. Aus einer spontanen Jamsession entwickelte sich der Wunsch nach weiterer Zusammenarbeit und nahezu mit Lichtgeschwindigkeit traten – voila! - The Comet Is Coming und das Album Channel the Spirits in Erscheinung und schrieben ihre blendende Spur in die musikalische Welt. Ok, es waren doch drei Jahre seit dem ersten musikalischen Zusammentreffen. Aber Zeit ist ja relativ, das Album selbst entstand in nur wenigen Tagen. Outta Space, Science Fiction und eine ordentliche Prise B-Film-Settings bilden den popkulturellen Hintergrund, vor dem sich das hochenergetische, funkelnde, spannungsreiche Spiel der drei Musiker entfaltet. Chanel The Spirits ist ein Spiel mit unterschiedlichen energetischen Zuständen, inspiriert von den Gedanken Sun Ras. Was leicht zu einer Art Aufguss hätte geraten können, entwickelt meiner Meinung nach doch ein bemerkenswertes Mass an Eigenständigkeit. Und das Album ist ein Abräumer erster Güte. Das inspirierende Bewusstsein, weit draussen zu sein, wird durch dynamische musikalische Energien zur Erde gepulst. Nun ja, vor allem auf den Tanzboden. Dort prallt diese Musik auf wie ein Feuerball. Hallo Erde: Bereit für den Aufschlag einer neuen kosmischen Macht?

Anspieltipps: Space Carnival, Journey through the Asteroid Belt, Cosmic Dust, Star Furnace, Lightyears          

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.5.2016 


A Tribe Called Knarf, Es ist die Wahrheit, obwohl es nie passierte, Staatsakt, 2015 - 10 Songs, 41 Min.

Lange nichts mehr gehört von Knarf Rellöm. Dabei war er sicher nicht untätig, er ist ja unter die Umherschweifenden Produzenten gegangen, war auch sonst da und dort dabei, wie unsereins erfreut feststellte.     Im letzten Jahr erschien dann ein neues Album namens Es ist die Wahrheit, obwohl es nie passierte. Ja was nun: Vertane Möglichkeiten in einer Welt, in der sich eins permanent entscheiden, positionieren, neu erfinden muss? Knarf Rellöm, Mann der vielen Namen, entschied sich für – ja, es ist eine Anspielung! - A Tribe Called Knarf als aktuelle Bandbezeichnung, wobei erneut ihm die vielfach bewährten Viktor Marek und DJ Pattex zur Seite stehen. Einzuordnen unter „Kapitalistischer Realismus“, vielleicht etwas plakativ, denn so nennt sich nun einmal unser Weltinnenraum. Und es ist noch einmal ein Verweis, auf angedacht kritische Kunst der 1960er Jahre. Wie ja überhaupt hier alles vor Referenzen strotzt und auch das ist nicht neu. Nein, es hat nicht einmal geholfen bisher. Wie alles andere ja auch nicht. Mit Widersprüchen arbeiten könnte das genannt werden, Widerspruch aus dem Bauch der Bestie, um kleine Zonen des Nichteinverstandenseins zu generieren, in dem Bewusstsein selbstverständlich, dass es sich dabei allenfalls um einen prekären Übergangszustand handeln kann. Dem trotzdem ein erhellender Moment abzuringen wäre und verkleidet in ansprechende, soulig warme Musik als Verhandlungsbasis. Nun, die Textflächen, zumeist von Knarf Rellöm kehlig und hell vorgetragen, sind davon nicht zu trennen. Sowas ist vielleicht der Widerschein einer Utopie, wo im richtigen, also falschen Leben, gerne nach billigen Alternativen für wir da unten vs die abgehobenen Oberen geschrieen wird, möglichst unter Verzicht auf eigenes Nachdenken. Das Letztere wird hier niemandem erspart. Es gibt für dieses Wir, bei aller Beseeltheit des Klangs, vermutlich nur ein Minimum an Gruppenzugehörigkeit auf dem vollgerümpelten Platz der leeren Versprechungen. Die aktuelle Jugendstudie spricht von der Freude an der Zugehörigkeit zum grossen Ganzen. Hier wird sie verweigert. Und das hier ist politische Musik, ziemlich auf der Höhe der Zeit.

Wir machen dann also mit, mit Gedanken über die Wahrheit. Passierte denn die Mondlandung? Das wäre noch ein recht harmloser Ausgangspunkt, vermute ich. Aber es geht ja weiter. Es lässt sich ja eigentlich nicht wegwischen. Es läuft aber womöglich zu einer virtuellen Blase zusammen, die dann den Kontakt zur Aussenwelt abreissen lässt. Wir wollen das vermeiden. Fehler is King, sagt Frank Möller, aber auch Einbildung ist auch ne Bildung. Feiner Diskurspop Hamburger Schule, immer wieder eingekleidet in ein smoothes Klanggewand. Den Ausdruck „ohrenschmeichelnd“ verkneif ich mir, es ist nämlich eine ganz andere, more sexy Essenz in den Sounds von DJ Pattex und dem wunderbaren Viktor Marek. Move your Ass and your Mind will Follow. Live zu erleben übrigens am 28.5. im Z-Bau.

Weil wir einverstanden sind: Mit einer Welt, in der die Neuerfindung der Persönlichkeit längst eine Masche, ein Unique Selling Point der Selbstdarstellung, ein Must Have auf dem alles verschlingenden Marktplatz des Lebens ist, auf dem jede/jeder sich als individualisiertes und optimiertes Produkt letztlich verhökern muss. Gilt vermutlich nicht für die Bäckereifachverkäuferin, die vielleicht auch nicht so dem Druck permanenter Verfügbarkeit ausgesetzt ist wie die meisten derer, die darüber schreiben. Ausser sie hat einen Werkvertrag. Wir kommen ab. Es gibt verschiedene Arten, das Spiel nicht mitzumachen. Jedenfalls gibt es immer wieder einen neuen Knarf Rellöm. Wobei sich manches gar nicht ändert, dankenswerterweise. Dass er sich seine Gedanken macht und uns daran teilhaben lässt zum Beispiel. Anders anders sein, den Verwertunginteressen immer einen Schritt voraus, ist furchtbar anstrengend. Und aller Anstrengung wert. Der Musik ist das kaum anzuhören, den Texten schon.  Zitat: „Wenn Pop-Musik (mit Bindestrich) erst in der konkreten, kontingenten Rezeption Pop-Musik wird, und jede andere Deutung unterschlägt das Besondere, Einzigartige an Pop-Musik, dann ist Knarf Rellöm ein Musterschüler. Hören, kapieren, kopieren, deuten, umdeuten, interpretieren, fortschreiben, rewriten, überschreiben, abschreiben, antworten…das sind die Kulturtechniken der Rellöms. Pop als Verständigungsmedium, Koordinatensystem. Some of my best friends are popsongs. Von dezenten Anspielungen und versteckten Verweisen halten die Rellöms wenig, Links & Winks kommen mit fettem Zaunpfahl, auch der Humor ist keiner von der feinsinnigen Sorte, krachende Kalauer und ko(s)mische Kostüme stellen die Toleranz sensibler Indieseelen auf die harte Probe.“ schreibt Klaus Walter und dem kann sich unsereins nur anschliessen. Was also ist die Wahrheit? Die Antwort müssen wir schon selber finden, durch Ausprobieren, Fragen, Zweifeln. Und die Zweifel auch anzweifeln. Und etwas Vorsicht bei den Liebesversprechungen, die Popsongs so gerne anbieten. Und das Tanzen nicht vergessen.

Anspieltipps: Bassline, that was so fine, Praxis of Love, Mein Nachbar ist ein Alien, Gender be Good, Über 20 Geschichten

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.5.2016


Stereo Total, Les Hormones, Staatsakt, 2016 - 14 Songs, 37 Min.

Klingt Pop-Trash besser als Schlagerpunk? Auf alle Fälle! und doch… Falls nämlich ein Schlager ein Popsong ist, der unmittelbar ins Ohr geht, bei dem spätestens der Refrain zum sofortigen hemmungslosen Mitsingen animiert, dann sind sie, werte Hörer*innen, bei diesem Begriff, so totgelutscht er ist, genau richtig. Und das seit gut 20 Jahren. Was soll unsereins da noch sagen? Schon bei einer vor kurzem erschienen Compilation fügte sich altes und neues Material wie Teile eines grossen Puzzles innig aneinander und auch Les Hormones, das aktuelle Album, fügt dem Panorama von Stereo Total genau genommen „nur“  Details hinzu (vermehrt japanischer Gesang, etwas weniger überkandidelte Sounds): Natürlich liegt das auch an dem gar nicht mal so kleinen Fundus, aus dem das sympathische Berliner Duo seine Lieder zusammenbaut. Darin finden sich Trash, Surf, Chanson,Filmsounds aus der B-Etage, Synthipop und Spacepunk, um nur davon zu sprechen. Ist ja auch genug und allemal gut. Rock´n´Roll können andere besser, wie Francoise Cactus meint. Und sich jedesmal neu zu erfinden, ist ihre Sache, nach rund 15 Alben, auch nicht. Und wie wäre auch etwas zu verbessern, das auf seine verspulte Art einfach perfekt ist?

Ein Blick in die Werkstatt: "Meistens haben wir vorher kein Konzept, nur danach ein Konzept. Also wir machen einfach Stücke, die uns durch den Kopf gehen. Dann wenn wir uns das Ganze anhören, dann versuchen wir, so eine Art Leitmotiv zu finden. Und deshalb heißt jetzt dieses Album 'Les Hormones', weil es sehr viel mit Komplexen zu tun hat, sich schlecht in seiner Haut fühlen und solche Sachen. Ja." Sagt Francoise Cactus zu ihrem aktuellen Album. Und: Ey, Alter, habe ich zu Brezel gesagt, wir haben schon länger keine Platte gemacht, hast du ein paar Ideen?“ „Wir haben alles komplett in unserem Keller aufgenommen, Fehler konnten wir keine mehr verbessern. Für mich ist das viel interessanter, da gibt es keinen Überdruss.“ sagt wiederum Brezel Göring zur Produktion, die ohne Computer, quasi live entstanden ist und auf einem 4-Spur-Cassettenrekorder aufgenommen wurde und den Tontechniker beim Mix zu häufigem Kopfschütteln veranlasst hat. Ja, all das sollte wirklich „so“. Es ist oft schade um das, was die Popkultur, die auch eine Wegwerfkultur ist, so am Wegrand liegen lässt. Stereo Total haben sich nie gescheut, eine Menge davon aufzulesen und auf ihre bezaubernde Weise wieder in Betrieb zu nehmen. Und ohne dabei einen nur nostalgischen Blick zurück zu werfen. Les Hormones kriecht so schon ziemlich schnittig ins Ohr, ist lustig, überdreht, feministisch und nicht ohne ernsthafte Hintergedanken. Live funktioniert das sowieso prima, wie mensch sich unlängst erst überzeugen konnte. Aber auch auf Tonträger ist der Spass nachzuerleben, den Stereo Total nach wie vor und hoffentlich noch lange am Verfertigen ihrer eigenwillig die Hörnerven kitzelnden Songs haben.

Anspieltipps: Zu schön für dich, Fleur de Hollande, Je m´en fous, Cactus Berry, Docteur Love, Labu Hotelu, Halt deine Kerze gerade

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.5.2016 


Animal Collective, Painting with,  Domino, 2016 – 12 tracks, 41 Min.

Ums kurz zu machen: Mit einigen Songtiteln ist eigentlich schon alles über das neue, elfte Album von Animal Collective gesagt: nämlich Floridada, Hocus Pocus, Lying in the Grass und Recycling. Nach dem eher verschrobenen Vorgänger Millipede Hz knüpft Painting with wieder am Geist des hinreissenden Merryweather Post Pavillon an. Das Problem ist natürlich, ist einmal so ein Glanzlicht gesetzt, so ist es nicht ganz einfach, auf diesem Niveau zu bleiben. Aber Avey Tare, Panda Bear und Geologist liessen sich einfach Zeit, hörten vermutlich ausgiebig Beach Boys und setzten sich dann ins Studio, um ein quietschbuntes, fröhlich rappelndes und unverdrossen zappelndes Stück gut gelaunter Musik in die Welt zu setzen. Das Album beschäftigt sich ua mit sog. Primitiver Kunst, überwältigt aber zugleich mit der gewohnten Komplexizität zahlreicher übereinander geschichteter Lagen Musik. Colin Stetson und John Cale mischen in den ersten beiden zwei Tracks mit, aber in der krassen Fülle an Klangmaterial, das diese Pop-Sonderlinge jeden Moment auffahren, fallen sie gar nicht einmal besonders auf. Das ist vielleicht das Manko an dieser Veröffentlichung, die Überfülle an musikalischen Ereignissen, die sich nie so recht fokussieren will. Immer mal wieder schöne, ja zuckersüsse Melodien, gerne zweistimmig vorgetragen, aber es wirkt doch immer mal wieder wie nicht ganz zu einem stimmigen Ende gebracht. Nun, das ist Jammern auf hohem Niveau. Sicher hilft es auch, sich diesen fast durchweg hyperventilierenden Songs mit einer gewissen Gelassenheit auszusetzen. Animal Collectives musikalischer Rummelplatz ist eben einfach so, er bricht über dich herein wie eine Lawine aus Popcorn, unter der ein Feuerwerk gezündet wird. Nach wie vor ein Erlebnis sondergleichen.

Anspieltipps: Floridada, Hocus Pocus, Lying in the Grass, Natural Selection, Bagels in Kiev, Golden Gal         

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.5.2016  


Ausserdem in ZORES

Laura Gibson, Empire Builder – Cityslang

Der Empire Builder ist ein Zug und damit hat Laura Gibson ihren Umzug von Portland nach New York bewältigt. Aber nicht nur davon handelt ihr neues Album. Auch nicht von der Gasexplosion, die ihr            neues Apartment und ihre Notizbücher zerstörte. Es geht aber schon ums Weitermachen, ums Sich- Neuerfinden und Wahrhaftigkeit , auch sich selbst gegenüber und, am besten, um einen frischen, rauheren Klang in der Musik, die ansonsten fest auf solidem Folk basiert.

V. A., Borsh Division – Trikont

Borschtsch, die Rote Bete-Suppe ist so etwas wie das Nationalgericht der Ukraine und wird je nach Region unterschiedlich zubereitet. Das musikalische Pendant dazu, aber keineswegs einen Eintopf, versammelt dieser markant unausgewogene Sampler, den Yuriy Ghurzy (Born in UA) uns zur Freude zusammengestellt hat. Kaum eine Band ist hier so recht bekannt, und für Stilpuristen ist alles sowieso    ein Gräuel. Alles hat natürlich einen politischen Hintergrund. Jede Band hat auf dem Maidan gespielt    und für eine freiere Zukunft demonstriert. Ob die ukrainischen Hoffnungen aufgehen und nicht in krudem Nationalismus, schimmernden Neoliberalismus oder gar im engen Bruderbund mit Russland erdrückt werden, bleibt leider derzeit dahingestellt. An der Musik sollte es jedenfalls nicht liegen.