Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten   

Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz 

 

 

Hier den Livesteam einschalten

 

 

Billie Marten, Dog Eared

Fiction Rec., 2025 - 10 Songs, 37 Min.

Wer mit 26 Jahren schon fünf Alben herausgebracht hat, dem mangelt es wohl nicht an Inspiration. Dog Eared heisst das aktuelle, klangschöne Werk von Billie Marten und es macht Vergnügen, da zuzuhören.

Folk mit Indie-Anteil und sachtem Country-Einschlag, so lässt sich die subtil instrumentierte Musik von Billie Marten beschreiben. Einzelne Instrumente setzen funkelnde Glanzlichter. Darüber schwebt Martens meist federleichte Stimme, die aber ab und zu andere Register erahnen lässt. Warm und zumeist entspannt ist die Stimmung, die die Sängerin und Gitarristin hier über knapp 40 Minuten verbreitet.

Isabella Sophie Tweddle aka Billie Marten aus dem englischen North Yorkshire begann schon mit sieben Jahren zu singen und Gitarre zu spielen, mit acht schrieb sie ihre ersten Songs, mit 12 nahm sie an Sessions teil. Musikalisch ist sie also keineswegs ein unbeschriebenes Blatt, sondern eine Musikerin, die schon jung viel erlebt hat. Und dog´s ears in ihre Lektüre zu knicken pflegte, also Eselsohren. Und es sind solche mit dog´s ears markierte Geschichten, die hier zu sacht schillernden Liedern werden.

Billie Martens Album Dog Eared wurde bei Phil Weinrobe live eingespielt und entwickelt so einen beinah privaten Charme, der sich aber doch von der zurückhaltenden Musik der Vorgänger unterscheidet. Eine sanfte Melancholie liegt unter den Songs, aber es ist eine tröstliche Wehmut. Ein musikalisches Lagerfeuer, das wie improvisiert wirkt.

Schwebend, aber mit vollem Klang. Dabei hat Billie Marten nur auf ihre innere Stimme gehört, um unspektakuläre Momente einzufangen, wenig aufregende Beobachtungen und den einen oder anderen Kummer und sie mit musikalischem Goldrand versehen. Der aber nicht funkelt und blendet, sondern mit warmherziger Patina einfängt. Es ist nichts verloren, solange sich ein Mensch etwas zutraut. Diese innere Gewissheit leitete Billie Marten bei diesem Album und es zeigt, dass sie damit Recht hatte.

Anspieltipps: Feeling, Crown, Clover, No Sudden Changes, Goodnight Moon, Swing

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026


Thee Headcoats, The Sherlock Holmes Rhythm´n´Beat Vernacular

Damaged Goods, 2025 - 12 Songs, 34 Min.

Konnte Sherlock Holmes tanzen? Diese Frage wurde meines Wissens nie abschliessend geklärt und Dr Watson schweigt beredt. Aber wir dürfen annehmen, das Holmes, unbestrittener Meister der Mimikry, bei Bedarf das Tanzbein auch in übel beleumundeten Spelunken mit gewohntem Geschick geschwungen hat, ohne anzuecken. Kommen wir somit zu Thee Headcoats und ihrem neuen Meisterwerk, betitelt The Sherlock Holmes Rhythm´n´Beat Vernacular, wobei letztes Wort für Jargon steht. Walzer und Polonaise dürfen wir beim Rhythm´n´Beat Vernacular sicher nicht erwarten, dafür feinsten, in Tweed gehüllten Garagerock aus der Hand von Billy Childish und Kumpanen.

„Wild“ Billie Childish IST Thee Headcoates - komplett nur mit deerstalker. Und diese wurden vor gut 25 Jahren eigentlich schon zu Grabe getragen, ohne dass Childish aufgehört hätte, in vielen Feldern aktiv zu sein. Sein Tod führte einige Zeit später zu einem Tributalbum für Don Craine und von da war es nicht weit zur Neuformation in der klassischen Headcoats-Besetzung: Billie Childish (git, voc), Johnny „Tub“Johnson (b, voc), Bruce Brand (dr, voc) und mit den Headcoatees als Background-Sängerinnen. Und den Spagat von lärmenden Rock´n´Roll zur ruralen Hühnerzucht schaffen sie weiter spielend.

Also zieht die Tanzschuhe an und legt los. Thee Headcoats legen ein astreines Brett vor, durchzogen von feinem britischen Humor und vorangetrieben von animierendem Geschepper. Die Garage bebt, und der alte Zauber, den Wild Billie Childish dem handgemachten R´n´B abgewinnt, ist ungebrochen. Das Licht wird erst ausgemacht, wenn der Morgen dämmert und der, der das Etablissement als Letzter verlässt, ist niemand anders als Mr Holmes, selbstverständlich ausdauerndster Tänzer von allen. Kunststück, bei dieser Musik.

Anspieltipps: And The Band Played Johnny B. Goode, 100 Yards Of Crash Barrier, The Friends Of The Buff Medway Fanciers Association, The Devil & God Entwined, Got Love If You Want It

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026


Faith Coloccia + Daniel Menche, Smelter                                                                              

Room40, 2025  - 6 tracks, 69 Min.

Etwas ist „zum Dahinschmelzen“ wird oft gesagt, wenn Wohlgefallen bekundet werden soll. Nun ja, manchmal ist es auch Zorn, der so vergeht. Auf alle Fälle verliert da etwas seine Form und verrinnt. Damit sind wir auch schon beim gemeinsamen Album von  Faith Coloccia + Daniel Menche, das dem Thema Wasser in vielen Facetten gewidmet ist. Und klar, Wasser ist geradezu prädestiniert darin, in vielerlei Gestalt seine Form zu  ändern. Nicht zu fassen zu sein, ausser es wird in eine Form gebannt. Wie hier in Klang.

Faith Coloccia ist eine vielseitige Künstlerin, musikalisch ua mit ihrem Mann Aaron Turner bei der Band Mammifer unterwegs, aber auch in Kooperationen mit Aidan Baker, Philipp Jeck und hier dem soundartist Daniel Menche. Beide kennen sich seit langen Jahren und haben schon bei verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Ihre Herangehensweise könnte unterschiedlicher nicht sein. Coloccia arbeitet spontan und impulsiv, während Menche Orte und Gestaltung präzise bestimmt. So entstand u.a. ein musikalisches Archiv von Wasserwelten, das aber nur eine Schicht des musikalischen Prozesses darstellt. Grundlage der musikalischen Zusammenarbeit auf dem Smelter betitelten Album waren Klavieraufnahmen Coloccias, die Menche mit eigenem Material zu sphärischen Drones umformte. Die endgültige Gestalt endstand durch Hinzufügen der  vielfältigen akustischen Feldaufnahmen aus den Reichen des Wassers. Fliessen und Erstarren, Sprudeln, Rinnen und Schmelzen dieser einzigartigen Verbindung formen so eine höchst atmosphärische Musik.

Eine ausschnitthafte Geschichte von Wasser lässt sich auf Smelter finden, dem Album, das Faith Coloccia + Daniel Menche gemeinsam Schicht für Schicht aufgebaut haben. Zeitkapseln für ein dahinfliessendes Element, ein lebendiges Standbild, festgehaltene flüchtige Momente von etwas, das, in den Händen gehalten, verrinnt oder, in Eisform, -schmilzt. Dazu immer wieder Wirbel und Rauschen, Stimmen, die beschreiben, was geschieht, eingebettet in einen musikalischen Strom, der die beharrliche und unaufhaltsame Kraft von Wasser in pulsierenden drones festhält. Als Momente inmitten allumfassenden Fliessens.

Anspieltipps: Land Farm, Winter Enclosure, Main Field  

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026 


La Petite Mort_Little Death, Disco II - Monomyth

Bandcamp, 2026 - 17 tracks, 48 Min.

Sasscore - da war doch mal was. Auch hier, in ZORES. In den Nuller Jahren, in Spuren zumindest: Post-Emo, Screamo, Chaos, Übertreibung, Theatralik, sexuelle Vieldeutigkeit und Zuneigung zu Disco. Oder zuckenden Bewegungen zumindest. Die Weigerung, tough zu sein. Handclapps. Die Liebe dazu, Songs die unwahrscheinlichsten Wendungen nehmen zu lassen. Rabiat kurze Aufmerksamkeitsspannen, verbunden mit latenter Überforderung der Zuhörenden. Manchmal sogar Humor, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. Und als Unterlage Abkehr vom Männlichkeitskult. Somit Bühne frei für La Petite Mort_Little Death, die nicht aus San Diego oder Washington kommen, sondern aus Frankfurt/M. respektive Köln 

La Petite Mort_Little Death führen mit ihrem Namen in dieser durchsexualisierten Gesellschaft erstmal in die Irre. Keine Orgasmen, ausser vielleicht als Reihung von Höhepunkten in ihrer überbordenden Musik. Ihren Sounds, die förmlich auf Stelzen gehen, immer in Gefahr, abzustürzen. Balance ist für Feiglinge. Diese Band will sich (Sasscore!) durchaus exponieren, aber inmitten einer Gemeinschaft von Menschen. Das ist das Erbe von Emo und Screamo, das Berührtsein.  Die Vereinigung von hoffentlich nicht zu grossen Egos im Bann einer verqueren Liebe zur Musik.

Dieses Album heisst Disco II - Monomyth. Es stammt von La Petite Mort_Little Death, und schon diese Bezeichnungen zeugen von wenig Scheu vor Komplexizität. Und doch (ich habe mich nicht gar so viel damit beschäftigt) gilt diese Musik in ihren Vertracktheiten, Abstürzen und Höhenflügen als zugänglicher als der Vorgänger (Disco, 2019). Dabei gilt: Diese Musik hat keine Hummeln im Hintern. Sondern Hornissen. Und das sind sehr gut gekleidete Insekten, wie wir wissen. Aber noch stehen wir vor einem Verhau aus Songtiteln, die klingen wie aus einer Wundertüte aus dem Kaninchenloch geschüttelt. Und ja, in dieser von Steffen, Paul und Jan unter Mithilfe von Zooey erstellten Musik ist all das drin. Geschüttelt, nicht gerührt.

Nach dem kleinen Tod kommt die Wiederbelebung. Im Fall von La Petite Mort_Little Death ist es eher eine Kaskade von Reanimationen, die gleichermassen der zuckenden, funkelnden, todlustigen Musik wie dem Publikum gelten. Was brauchts dazu. Nix Besonderes. Nur Gitarre, Synthesizer, Schlagzeug. Und Gesang, der auf die Achterbahn geht. Mit 5 Loopings mindestens. Und Rückwärts. Und dabei das Publikum an die Hand nimmt, es umarmt, in Euphorie tränkt und auf die Party mitschleift.

Anspieltipps: Erleuchtung garantiert, Puranetto romio ..., „Die Welle war mein Leben“,   B. Talent II, Le seul, Thanks Osa feat Zooey Agro, Meine Tante im Rückspiegel feat Zooey Agro, The Beginners Guide

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026


Apparat, A Hum of Maybe

Mute, 2026 - 11 Songs, 51 Min.

Nicht nur als Teil von Moderat die Tanzfläche zu rocken ist Sascha Ring immer wieder gelungen. Höhepunkt war 2019 eine Grammy-Nominierung. Aber dann kam eine Schaffenskrise, aus der sich der Musiker und Mitbetreiber des Labels Shitkatapult erst langsam und in kleinen Schritten herausarbeiten konnte. Schliesslich gab es ja auch sein elektronisches Soloprojekt Apparat für tendenziell abstrakten Techno. Der hier aber einen neuen Twist erhält.

Apparats neues, nach einer längeren Pause erschienenes Album nennt sich A Hum of Maybe. Sehr organische wirkende Elektronik triff hier auf Klänge akustischer Instrumente und verschmilzt zu einer sacht durchpulsten Traumwelt. Das kann schon mal die Grenzen von Kitsch und Beliebigkeit streifen, was durchaus dem detailverliebten Können des Musikers geschuldet ist. Aber das trübt den inspirierenden Gesamteindruck nicht wirklich. Denn meistens kriegt Apparat die Kurve und baut sogar skurille Missgeschicke wie die versehentlich auf die Tonspuren gelangte Stimme seiner kleinen Tochter stimmungsvoll ein. Alles in allem ergibt sich eine unaufdringlich exquisite Klangwelt, die uns mit sanfter Melancholie einfängt, aber wegen ihrer trotzdem vorhndenen Lebendigkeit nicht betäubt.

JedeR, der oder die kreativ arbeitet, weiss, wie schwer es ist, aus einer unfreiwilligen schöpferischen Pause herauszukommen. Sascha Ring aka Moderat bearbeitete zunächst  ältere Soundtracks, bevor er begann, frei von selbstauferlegtem Druck, sich einfach tagtäglich eine musikalische Idee vorzunehmen. Er fand rasch heraus, dass diese tracks das Thema Liebe verband, was natürlich schön für alle ist und sich ziemlich widerspruchslos zu einem neuen Album fügte. Und das verzichtet einfach mal auf allen Wumms, auf alles Ich-bin-wieder-da-Auftrumpfende. Ja, vielleicht ist alles wieder gut, may be. Und da summt eins halt so vor sich hin, im dichten Wald des Lebens wie in der kargen Einöde, findet  in der einfachsten musikalischen Darbietung ein Stück weit Trost und Ermutigung, findet sich und seine Welt nicht unverwundbar, aber doch, auch und wegen der Musik, resistent genug fürs Weitermachen. 

Anspieltipps: Glimmerine,Tilth, A Hum of Maybe, An Echo Skips A Name, Pieces, Fallin

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026


Peaches, No Lube So Rude

Kill Rock Stars, 2026 - 11 Songs, 30 Min.

Peaches ist wieder da. In einem neuen Lebensabschnitt. Und mit einer dringenden Aufforderung.

Merrill Beth Nisker aka Peaches wurde in den 2000er Jahren mit ihrem rohen und ungeschönten, expliziten und tanzbaren Electroclash rasch bekannt. Seit zehn Jahren war allerdings kein neues Album von ihr mehr erschienen. Aber die Künstlerin war in dieser Zeit nicht untätig, sie widmete sich nur anderen erfüllenden Projekten. Nun aber war die Zeit reif für No Lube So Rude. Und ja, es ist so: Auch die Welt reibt sich an vielen Bruchstellen auf, da bräuchte es viel, viel Gleitgel. Und im persönlichen Umgang auch ungeachtet der Wechseljahre ist das auch ein Muss und Gebot der Höflichkeit.

Queerfeminismus und Sexpositivität feierten mit Peaches fulminant Eingang auch auf die grösseren Bühnen dieser Welt. Damit ist sie inzwischen nicht mehr allein, brat und fotzig können auch andere. Aber mit ihren Themen ist Peaches noch lange nicht durch, dafür dreht sich die Welt nicht schnell genug. Nicht nur Angriffe auf die queeren Communities, Transrechte und auf als weiblich gelesene Personen zeigen das Tag für Tag. Ich fürchte allerdings, das in solchen Fällen auch kein Lubricant geschmeidigere Begegnungen ermöglicht. Aber davon sollte sich niemand beirren lassen. Und das tut Peaches ohnehin nicht, auch wenn sie ein neues Thema aufs Tapet bringt: Die Menopause. Wechseljahre. Schweissausbrüche, Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, Scheidentrockenheit und brainfog in unterschiedlicher Sortierung. Alles kann, nichts muss. Jedenfalls nichts für Feiglinge. Was setzt sie dagen? Worte. Ihre Empfehlung. Und schweisstreibende beats. Weil die Lust nicht plötzlich weg ist.

Manchmal werden Künstler*innen im Alter milder. Abgeklärter. Womöglicherweise auch konservativer. Peaches hat damit nichts am Hut. Ihre von Sprechgesang beflügelten Sounds wirken frisch und unmittelbar. Kein Blatt vorm Mund weiterhin, und um sich eine Reihe passionierter MusikerInnen, die den drive von Peaches vorherigen Alben in die Gegenwart pushen.

„Es herrscht so viel Reibung in dieser Welt. Das scheuert und fühlt sich einfach nicht gut an. Erst recht nicht in meinem Intimbereich. Gleitmittel kann dagegen helfen. Auch im erweiterten Sinne: Es ist so wichtig, Spannungen, Machtdynamiken und Einvernehmen sensibel zu handhaben - um wieder Verbindungen zu schaffen. Du kannst nicht einfach deine Macht ausspielen, sondern du musst diese Macht auch mit anderen teilen.“ sagt Peaches. Diese Musik, auch wenn sie ruppig und voller Energie einherkommt, wirkt wie ein Gleitmittel, dass aus Reibung Vergnügen macht, Selbstbewusstsein und Stolz. Sie bleibt ein Ansporn, nie wieder still zu sein.  

Anspieltipps: Hanging Titties, No Lube So Rude, Not In Your Mouth None Of Your Business, Take It           , Grip                                                   

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026


Agriculture, The Spiritual Sound 

The Flenser, 2025 - 10 Songs, 44 Min.  

Es gibt ein depressives, zerquältes Schwarz. Und ein euphorisches, das ungeachtet aller Verfahrenheit das Leben umarmt. Soweit Letzteres das zulässt, natürlich. Agriculture aus LA haben sich auf ihrem zweiten Album namens The Spiritual Sound für die empathische Variante entschieden. Und nehmen alles mit rein, was an Black Metal begeistert.

Musik kann betäuben. Wir können uns heute mit Musik, mit Playlisten zuschütten lassen, ohne den Kern dessen wahrzunehmen, was wir hören. Extreme Musik aller Spielarten möchte diese Wand an Bedeutungsverlust durchbrechen, was wahrscheinlich nur dadurch gelingt, dass sie sich in Nischen einrichtet. Eine dieser Nischen besetzt Agriculture. Schon der für ein post black metal Album nicht ganz gewöhnliche Titel The Spiritual Sound (da kommt einem vielleicht Liturgy in den Sinn) verweist auf Inhalte, die anders liegen als erwartbar. (Lassen wir mal Paganismus und Heidentum aussen vor). Hier erleben wir, wie sich die Welten der beiden SongschreiberInnen von Agriculture begegnen und durchdringen. Dan Meyer sucht nach der Erlösung inmitten tosenden Lärms, Leah Levinson bezieht sich auf queere Geschichte und Überleben als täglich geübtem Ritual. Zusammen mit Richard Chovenhill und Kern Haug entwickeln sie ein Panorama, das Momente der Gegenwart aufnimmt, ohne sie zu beliebigem Content umzumünzen.

Ekstase und Erlösung verweben sich In Agricultures The Spiritual Sound, unterfüttert mit dem ganzen Besteck, das Post Black Metal/Blackgaze aufzubieten hat. So dass HörerIn unvermittelt in einen klanglichen Strudel hereingezogen wird, aus dem erstmal kein Entkommen möglich scheint. Dabei ist Nähe möglich und Veränderung unabdingbar, denn wozu wäre wer zu dieser Fahrt aufgebrochen, um nicht als einE Andere zurückzukehren? Agriculture fordern uns dazu heraus mit allen Mitteln, mit exzessivem Überschwang,  mit keifender Stimme und Klargesang in einer Welt aus Feuer und alltäglichem Verdruss übrigens auch. Als Feuerreiter werden wir allerdings am Ende freigesetzt, geläutert und schweissgebadet, zerstört und erleuchtet. Der einzige Weg heraus führt ja nach Innen.

Anspieltipps: My Garden, Flea, The Weight, Dan´s Love Song, The Reply (feat Emma Ruth Rundle)

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 6.10.2026