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Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz |
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Voodoo
Jürgens, Gschnas
Lotterlabel,
2026 - 11 Songs, 49 Min. Zuerst
Schmäh. Und dann Gschnas. Also reizender Plunder und Lumpenball. Aber
mit allem denkbaren Talmi, Brokat und Glitter. Voodoo Jürgens hat dem
Beisl der frühen Jahre den Rücken gekehrt, er hat sich da nicht, wie
andere, festgehockt. Der Flügel des Erfolgs hat ihn emporgehoben,
zurecht. Dann was dieser Kneipen- und Friedhofspoet ersinnt, hat
eigenen Rang und Würde und reicht zur gehobenen Nischenexistenz mit
Schauspielpreis. Da kann einer nicht mehr so tun, als gehöre er zur
Oberklasse Unterschicht. Und das weiss Voodoo Jürgens genau und
richtet sich darauf aus,
nachdenklich, aber bestimmt. Mit
Voodoo Jürgens bekam der Austropop ein neues Gesicht. Ohne
Schickimicki, aber mit Schmäh. Prekär, aber mit rotziger Lebenslust.
Arm in Arm mit Bruder Tod, aber darauf bedacht, nicht unbedacht ins
Grab zu purzeln. Schwarzer Humor mit geschwisterlicher Humanität.
Voodoo Jürgens eroberte mit seinem Orchester die kleineren Bühnen
der Welt und begriff doch auch, dass er sich häuten musste, nach zehn
Jahren im
Metier. Gschnas ist die Probe darauf. Und sie scheint gelungen.
Halbseiden
oder Milieu wird gerne das genannt, aus dem Voodoo Jürgens die Ideen
für seine ersten Songs schöpfte. Ungeschönt und nicht ohne zärtlichen
Humor zeichnete er Existenzen, die sich seine Lieder eher nicht anhören
würden. Das Hören besorgten dann andere Kreise, auch die vorerst nur
randbürgerlich. Voodoo Jürgens gefiel, auch weil er sich nicht
unauthentisch als Beisl- und Bänkelsänger zeigte. Aber er tanzte
mehr als einen Sommer und sich zuletzt aus seinem Klischee heraus. Die
Kunst dabei ist, der Gleiche zu bleiben, aber anders. Mit Gschnas
zeigt er, wie das gehen kann. Ein
Gschnas sammelt die Reste auf und macht daraus ein Fest. Eins, auf das
die Grosskopferten und die feine Gesellschaft eher nicht gehen. Weil
sie davon hoffentlich nicht erfahren. Ein bisschen verhält es sich
auch mit Voodoo Jürgens neuem Album so. Ich wünsche ihm, mit so
wundervollem musikalischen Flitter aufgeputzt und von Zärtlichkeit
durchdrungen, den gebührenden Erfolg und möchte es zugleich in
meinem Herz verstecken. Mitsamt dem Faschingskrapfen. Anspieltipps:
Vaschwindn, De an und de audan, Taxitänzer, Guade Stubn , Somnambulen Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 4.8.2026 Ausgestorben,
Planetenübergabe Major
Label, 2026 - 13 Songs, 35 Min. Allerlei
Ängste, dass die Menschheit einmal ausgestorben sein könnte, treiben
diverse Tech-Bros um und ümmer. Warum eigentlich? Soviel ist schon
ausgestorben im Laufe eines langen Planetenlebens und, mal ehrlich,
sollte die Menschheit etwa wegen ihrer Fähigkeit zum Musikmachen
davon ausgenommen werden? Jens Rachut wird das mit schnörkellosem
Gesang und schnörkelvollen Texten sicher bestreiten. Was soll das
dann auch alles?
Und
wer soll dieses abgewirtschaftete Planetlein auch übernehmen? Den
Ratten ist Einiges zuzutrauen, aber lassen sie sich überhaupt dazu
bewegen? Müssen wir nicht eher den Kakerlak ins Auge fassen, die
Zecke oder noch vielbeinigeres Gewürm? Kommt Rettung aus unerwarteter
Ecke? Wir werdens nicht erfahren, aber dafür läuft hier Musik, die
immer noch Sehnsucht nach Unbekanntem hat. Auch wenn man ihr das nicht
sogleich anhört. Ausgestorben
ist Jens Rachuts neueste Band-Inkarnation. Hier besinnt er sich auf
alte Punktraditionen, die beherzt in Angriff genommen werden. Die
Gitarristen Atli Grund und Thomas Wenzel, Bassist Uwe Roth
und Schlagzeuger Elmar Günther streuen feine Details und
auch mal in ein Gitarrensolo ins flotte Spiel, Rachuts Stimme knarzt
beherzt und erbaut eine
skurille, gerade noch stark belebte Welt zwischen Hammerhaikindern,
Protest und daddeligen Fuckern. Darum wär es dann doch schade... Anspieltipps:
Johan Cruyff, Beschwerde,Protestsong,
Affen bügeln , Hammerhaikinder, Planetenübergabe,
Ratten Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 4.8.2026 Rev.
Beat-Man & Milan Slick, Death
Crossed The Street Voodoo
Rhythm, 2025 - 10 Songs, 33 Min. Grundsätzlich
ist das eines der Alben, die ich am liebsten durchspielen würde. Es
ist ja auch leider nicht besonders lang. Reverend Beat-Man, der grand
father des schwyzer bluestrash, trifft auf den jungen Fürsten der
Finsternis, Milan Slick. Milan
Slick, geboren 2004, begegnete dem Beat-Man inmitten der
Corona-Pandemie bei der Arbeit an Filmmusik zu Ana Lily Amirpours A
Girl Walks Home
Alone at Night, einem fabulösen Vampir-Film der etwas anderen
Art. Kein schlechtes Omen für eine weitere Zusammenarbeit. Für die
ist Milan Slick ohnehin zu haben. So spielt er etwa mit Birdman Jäggi
und in The Underground, mit denen wiederum der Beat-Man ein düsteres
(was sonst) Album aufgenommen hat. Auf Death Crosses The Street ist er
nun mit Gesang und an verschiedenen Instrumenten, darunter einer Höllenorgel,
in trauter Gemeinsamkeit mit dem Beat-Man zu hören. In der Jukebox
laufen Nick Cave und Robert Johnson. Roh,
ungestüm, suggestiv: Reverend Beat-Man predigt den Blues. In der
oberflächlich so wohlhabenden Schwyz muss es ein armer Blues sein,
dessen dunkles Herz lauter pocht denn je. Ein Gospel des schwarzen
Blutes, in den dann andere FreundInnen desAbgründigen einstimmen können:
Todesbräute, Schmerzensritter, Düsterromantiker aller Geschlechter.
Denn ja: Wurde auf anderen Alben noch von denkbarer Erlösung, gar der
Kraft der Liebe gesungen, scheint hier die Hoffnung erloschen. Während
der Reverend noch predigt, zieht Milan Slick lakonisch den Stecker.
Der Tod überquert die Strasse, sein Werk ist getan. Die Frage, was
mit den Leuten in der Welt falsch läuft, hat sich erledigt. Was
bleibt, ist diese rabiate, krätzige, sich überschlagende Musik, die
andeutet, dass doch nicht alles falsch hätte laufen müssen. Würden
die Menschen sich nur der Musik, dem Blues anvertrauen, offenen
Herzens. Anspieltipps:
I Found Out, Fuck You Jesus, Death Crossed The Stree, tIn the End,
Shut up Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 4.8.2026 Fatoumata Diawara, MassaNo
Format, 2026 - 12 Songs,
40 Min.
Ein
musikbegabtes Kind, geboren von malischen Eltern in der Elfenbeinküste
und wegen Zwangsverheiratung nach Frankreich emigriert - damit kann
die Welt leben und sich erfreuen. Wie schmal der Grat ist, haben die bösartigen
fakes um die Ereignisse von Ceuta gezeigt. Brain drain, art drain aus
Afrika ist ok, wenn er die westliche Welt bereichert. Sonst aber?! Ob
wiederum alle europäischen Auswanderer für den Rest der Welt ein
Segen waren, ist zumindest fraglich, wird aber gerne unterstellt.
Vielleicht sollten AfrikanerInnen trotzdem ein würdiges Leben in
Afrika führen können und dazu wäre einiges zu sagen (und zu
kritisieren): Aber was weiss denn ich. Fatoumata Diawaras
springlebendiges neues Album heisst „Massa“ und das bedeutet
soviel wie „Das Ewige“. Afrikanische
Musiktraditionen treffen auf westliche Popmusik (die wiederum einiges
an afrikanischen Wurzeln in sich trägt). Das ist das musikalische
Konzept, das Diawaras langjähriger Mitstreiter M aka Matthieu
Chedid für dieses Album erdacht und ins Ohr gehend umgesetzt
hat. Vielleicht ist das Album ein bisschen zu glatt, zu kunstfertig
poliert geworden, aber es macht doch viel Freude, dieser aus vielen
Quellen schöpfenden Musik zu lauschen. Auch wenn der (internationale)
Pop-Aspekt die Musik durchtränkt. Und ein paar Eigenheiten entwickelt
sie dann doch. Ganz selbstverständlich und unüberhörbar, wird auch
in einer Sprache gesungen, die die Wenigsten von uns beherrschen... Bisschen
Vorgeschichte: Fatoumata
Diawaras Laufbahn begann in der Tanzgruppe ihres Vaters, wo sie den
Didadi-Tanz aufführte.
2001 spielte sie die Hauptrolle in Dani Kouyatés
Film Sia –
Der Traum der Python und erlangte damit weltweite Aufmerksamkeit.
Nachdem sie aus einer Zwangsehe geflohen war, verbrachte Fatoumata
sechs Jahre als Teil der französischen
Theatergruppe Royal de Luxe Compagnie mit Auftritten weltweit.
Regisseur Jean-Luc Courcoult wurde irgendwann backstage auf ihr Summen
aufmerksam und schlug vor, dass sie das auch auf der Bühne
machen solle. 2007
führte
dies zur Rolle der Hexe Karaba im Musical Kiriku und die Zauberin. Die
große
Sängerin
Rokia Traoré
bestärkte
Fatoumata darin, das Gitarrenspiel zu erlernen, und so begann sie in
den Bars von Paris ihre Lieder zu singen. 2011
erschien das erste Album Fatou, auf dem sie mithilfe ihrer intim
klingenden Folk-Gitarre die Wassoulou-Tradition mit westlichen
Funk-Einflüssen
verschmolz. (nach Uta Bretsch).
Und
seitdem macht sie unverdrossen weiter mit vielfältigen,
auch politischen Aktivitäten. Fatoumata
Diawara ist derzeit der größte weibliche Star, den Mali der Welt
gegeben hat. Sängerin, Gitarristin, Schauspielerin, Grammy-Nominierte
und die erste schwarze Frau mit einer eigenen Signature-Gitarre bei
Gibson Epiphone. Die
Entfernung von der Heimat muss nicht heissen, von allem Vertrauten
Abstand zu nehmen. So hat Fatoumata Diawara Dinge und Traditionen zurückgelassen,
von denen sie
sich trennen wollte, aber mitgenommen, was ihr Leben auch in einem
fremden Land erfüllt. Ein leiser Schmerz und Zwiespalt bleiben
notwendigerweise, aber auch eine stärkende Verbundenheit. So tränkt
eine unzerstörbare Zuversicht die Lieder, die Diawara mit ihrer
leicht herben Stimme anstimmt. Massa ist persönlich, ein Stück weit
introspektiv, es thematisiert auch die Rolle der Künstlerin als
Mutter und private und öffentlich Missstände. Davon weiss die Musik
erstmal ziemlich wenig, denn letztlich ist die Botschaft klar. Von
allen Widrigkeiten sollten wir uns nicht unterkriegen lassen und
lieber die Kraft der Musik feiern. Anspieltipps:
Tcheba,
Sigui, Massa, Fala, Farana, Tati Bakaray Hans
Plesch für ZORES auf Radio Z, 4.8.2026
Hurray
for the Riff Raff Voodoo
Jürgens, Gschnas
22´ The
Notwist Rev.
Beat-Man & Milan Slick, Death Crossed The Street 20´ Ausgestorben,
Planetenübergabe 19´ Fatoumata
Diawara, Massa
25´
Ladytron,
Paradises
27´
Ladytron,
Paradises Nettwerk,
2026 - 16 Songs, 71 Min. Nicht
nur Reiseanbieter kennen verschiedene Paradise, auch die Electroband
Ladytron offeriert Einschlägiges zwischen quasi Liverpool und den
Balearen. Und ab und zu züngelt ein bisschen Höllenfeuer unter der
polierten Tanzfläche. Ladytron
formierten sich 1997 in Liverpool und starteten ziemlich durch mit
ihren eleganten Synthiepop-Hymnen, die auch mal düster schimmern. Auf
dem überaus üppigen Album Nr. 8, Paradises sind sie nurmehr zu
dritt: Helen Marnie, Mira Aroyo und Daniel
Hunt mit Gesang, Gitarre und Synthies. Es reicht trotzdem für
den glamourösen
Signature-Sound, der zu einem Kennzeichen der Band geworden
ist. Himmlische Gefilde reinsten Wassers brauchen wir trotzdem nicht
zu erwarten. Denn der Musik von Ladytron ist immer auch eine dunkle
Note eingeschrieben. Das macht sie so tauglich nicht nur für schwüle
Sommernächte. Disco
Sound unterschiedlicher Epochen trifft auf frostige Synthieklänge und
eine Atmosphäre, die ziemlich elektrisch geladen scheint. Eine reine
helle Popwelt war Ladytrons Sache nie. Ein bisschen gehext und
gezaubert wurde immer und das stand der Musik gut. Diese Erfolgsformel
taucht auch Paradises, das aktuelle Album, in ein Licht, dessen
Leuchten manchmal fahl gedimmt wird. Um dann wieder in Euphorie und Wärme
zu explodieren. Mehr
als 70 Minuten verzaubernden Electropop mit vielen Details und klar
heraustretenden Stimmen: Paradises gleicht einem Fluss aus Sound, der
allerdings etwas gleichförmig
seinen Lauf nimmt. Das ist allerdings schon das einzige Manko, dem
durch aufmerksames Hören
entgegengewirkt werden kann. Denn alle tracks haben ihre individuelle
Handschrift, die sich allerdings nicht in den Vordergrund drängt.
Sondern sich eher in durchdachten
Strukturen ausmachen lässt.
Es ist die rotierende Discokugel, deren Funkeln hier alles zusammenhält
und für
einen Rausch auf der Tanzfläche
sorgt, der kein Morgen kennt und kaum ein Gestern.
Anspieltipps:
In Blood,
I See Red, A Death In London,
Sing, Caught In The Blink Of An Eye, Ordinary
Love Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 4.8.2026 u
n d Hurray
for the Riff Raff,
Live Forever - Nonesuch Rec., 2026 Die
Vergangenheit lebt noch - und sie ist springlebendig, wie Alynda
Segarra unter Beweis stellt. Sie spielte das gleichnamige Album live
in der Old Town School of Folk Music in Chicago, ihrer neuen Heimat.
Begleitet von ihrer dort beheimateten Tourband, die allemit der
dortigen DIY-Scene verbunden sind. Sie spielen Folk für Vergessene
und Ausgestossene, Gewaltopfer und andere, die sehr tief unter dem
Radar, aber im Fadenkreuz der US Politik stehen. Das lässt sich der
Musik nicht immer anhören, die aber ein grosses Konzerterlebnis einfängt. The
Notwist,
News From Planet Zombie - Morr Music , 2026 News
From Planet Zombie sind schon mal keine guten. Das spüren auch die
Weilheimer und führt sie zu einem sehr direkten, beinah rabiaten
Album. Die Fülle des Wohllauts, den die erfinderischen Notwist aber
auch und trotzdem können, spendet dabei ein Quantum Trost. |