Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten   

Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz 

 

 

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Lena Hessels, Billow                                                                                                    

Terp Records, 2918 – 8 Songs, 21 Min.

Mit Musikereltern aufzuwachsen, in deren Haus regelmässig Musiker*innen zu Besuch sind und auf Touren mitgenommen zu werden, kann nervig sein. Oder, wie im Fall von Lena Hessels, inspirierend. Nach dem Schulabschluss letzten Sommer war es dann soweit. Die Künstlerin schloss sich ein und binnen drei Wochen war Billow fertig. Billow, klingt nach viel, nach wogender Welle, aber das führt in die Irre. Schon das Album ist nicht sehr lang geraten, leider. Und die Songs sind karg, gestrippt bis auf den Grund, was Lena Hessels ausdrucksstarke Stimme natürlich umso mehr in den Vordergrund bringt. Mit The Ex als familiärem Hintergrund ist es nicht schwer, eingefahrene Hörgewohnheiten zu vermeiden. Lena Hessels hat auf ihrer ersten Platte – denn ich hoffe, es wird nicht die letzte sein – alles richtig gemacht. Gesang, Gitarre, Klavier, etwas Elektronik und vielleicht ein Akkordeon verdichten sich zu einem seltsam traumverlorenen Stimmungsbild. Ohne allen Schnickschnack wird das vorgetragen. Lena Hessels Stimme ist, auch wenn sie zurückgenommen wird, immer noch eindrücklich. Dazu ein paar gut gebaute Melodien, unaufgeregt, aber doch ins Melancholische gerückt. Da ist diese Welle, die sich aufbaut. Aber wenn jemand in sie greift, fühlt sie sich sehr leer an. Das leider allzu kurze Album Billow von Lena Hessels zeigt, dass die junge Liederschreiberin schon sehr genau weiss, dass weniger mehr ist. Und das ist natürlich eine Kunst, die manche nie auf die Reihe kriegen (oder es auch nur wollen): Hier aber passt es prima. Ebenso die Stimmung, die alles Aufgedrehte vermeidet, aber dafür einen schönen eigenen Ton findet. So wie vor einem Abgrund, in den wer schaut, um festzustellen, dass der Abgrund zurückblickt. Das alles klingt nie bemüht, nie nach schwarzer Romantik. Aber die Verlorenheit, die da sicht- und hörbar wird, berührt uns doch mit einem sehr lebendigen Schauer. Die Ungewissheit eines Aufbruchs. Ich hätte da gern mehr davon.

Anspieltipps: Seven, Welter, Standby, Sunflowerbby                            

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.4.2019


Anguish (same)                                                                                                            

Rare Noise, 2018 – 9 tracks, 41 Min.

Pein, Qual, Schmerz - Anguish kann vieles bedeuten, dabei aber kaum Angenehmes. Kann mensch als Statement nehmen und sich abwenden, verpasst dann aber eine Menge hoch intensiver, dabei rabendüster grundierter Musik. Vielleicht kein Zufall, dass etwa die Encyclopedia Metallum rund ein Dutzend Bands listet, die den gleichen Namen tragen. Aber diese Anguish gehören nicht dazu. Auch wenn die Beteiligten ohne weiteres für heftige Musik stehen. Am Synthesizer Altmeister Hans Joachim Irmler von Faust, dazu Saxophonist Mats Gustafsson und Drummer Andreas Werliin vom Jazzcore-Trio Fire! sowie Will Brooks und Mike Mare von den Noiserappern Dälek. Und letztere geben schon die Richtung vor auf düsteren, dystopischen Hip Hop mit ein paar besonderen Haken und Ösen. Und wer das Ganze doch für eine zu kuriose Zusammenstellung von Musikern hält, der sei auf die Faust vs Dälek Kollabo von 2004 verwiesen: Nochmal Derbe Respekt, Alder. Allgemein sehr umtriebige Künstler – auch Dälek, einige Zeit auf Eis gelegt, bringen in Kürze wieder ein neues Album heraus – trafen sich im Sommer 2018 in Imlers Faust-Studio und nahmen innerhalb von nur drei Tagen neun von Energie strotzende Tracks auf. Ein womöglich kleiner Schritt für die Künstler, ein deutliches statement in Sachen zukünftiger Hip Hop wird da hörbar – weit entfernt von allem Prangen mit Bling Bling, Aufstiegsfantasien und Kapitalismusbejahung. Dieser Planet wird gerade einem Stresstest unterzogen und ob das für die Experimentatoren gut ausgeht, steht noch weit offen. Anguish mutet jedenfalls sehr wie ein Soundtrack zu den spannenden Zeiten an, die sich um uns ereignen. Love, Peace & Happiness: Eine Fata Morgana aus Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen haben soll und die Mauer noch stand. Im Zeichen des elektronischen Fortschritts wird das Tonstudio dann selbst zum Instrument für unerhörte Klänge. Der entwickelte Kapitalismus frisst die befreite Kunst und hinterlässt verbrannte Erde, die sich da und dort mit seltsamen, renitenten Pflänzchen füllt. Das ist die Lage, in der Anguish mit der Faust (sic!) auf den Tisch haut respektive in die Eingeweide von HörerInnen, die ein wenig industrielles Gemetzel, hexenhaftes Jazzgewimmer und bedrängende Stimmen ins Ohr lassen wollen. Und ab und an ein bisschen samtweichen Ambient. Ein reinigendes Klanggewitter, ein metallisch grundiertes Klangbad, das trotz allem niemand von Schuld freispricht. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass unter aller rohen, ungestümen Energie ein feines Zusammenspiel sich entwickelt, das zeigt, dass hier wirklich musikalische Könner von hohen Graden am Werk sind. Will Brooks, Mats Gustafsson, Hans Joachim Irmler, Mike Mare Andreas Werliin: Was zunächst wie bunt zusammengewürfelt wirkt an Beteiligten, macht im klangfarbenreichen Zusammenspiel Sinn und jede Menge derbes Hörvergnügen.

Anspieltipps: Cyclical/Physical, Anguish, Gut Feeling, Wümme

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.4.2019 


Julia Kent, Temporal                                                                                           

The Leaf Label, 2019 – 7 tracks, 38 Min.

Das Cello ist nicht gerade das gängigste Instrument in dieser ziemlich wahllosen Sendung, aber ab und an hat es einen Auftritt. Und ich spreche hier nicht von Apocalyptica, die ein anderes Metier bearbeiten. Vor längerer Zeit gab es hier ein zB Album von Rasputina, einer cellobasierten Band des viktorianischen Zeitalters. Und bei dieser Band wirkte, zu einer anderen Zeit wiederum, Julia Kent mit, kanadische Komponistin und Cellistin, deren fünftes Album Temporal hier vorgestellt werden soll. Das Cello steht somit im Vordergrund, klar, aber auch Pianoklänge und elektronische Sounds werden diskret mit einbezogen. Folgendes weiss Wikipedia zu berichten: Das Violoncello entstand aus älteren Vorgängern nach 1535 in Norditalien und kam in der klassischen Musik zu einiger Bedeutung. Ihm wird ein warmer Klang, ein spezieller Ton zugeschrieben, der es auch einer Singstimme ähnlich macht. Aber auch sprödere Sounds lassen sich ihm entlocken. Da das Cello ein wenig sperrig ist, mit dem Kontrabass freilich nicht zu vergleichen und natürlich eine besondere Spielpraxis erfordert, dauerte es eine Weile, bis es im Jazz (Oscar Pettiford) und Pop/Rock (Electric Light Orchestra) angekommen ist. Inzwischen ist es auch da zu finden, wo es nicht zu erwarten war, wie im Punk (Guts Pie Earshot). Kurzum, einer Cellistin stehen auch jenseits der Klassik so ziemlich alle Möglichkeiten offen und da ist dann Julia Kent zu finden, die auch Musik für Tanzaufführungen schreibt, von denen einige auf ihrem aktuellen Album Temporal zu finden sind. Tänzer*innen und Schauspieler*innen sind jederzeit verletzlich in ihrem Tun. Sie agieren ungeschützt, auch rein physisch gesehen. Aber sie zeigen auch ihre Körperbeherrschung und Kraft, sagt sie, die sich bei Auftritten an ihrem Instrument festhalten kann. Und das war immer wieder der Ausgangspunkt für Julia Kents Stücke, die hier zu hören sind und auf einer gemeinsamen Ebene der Inspiration basieren. Die Klangwelt von Julia Kent ist vielfältig. Sie hat nicht nur bei Bands wie Rasputina, Anthony and the Johnsons oder Parallel 41 mitgespielt, sondern auch mit Nadja, Markus Guentner, Library Tapes oder Sophie Hutchings zusammengearbeitet. Hier, wie gesagt, ist Musik für Tanz zu hören, die weniger von der Bewegung selbst inspiriert wurde, sondern von der Körperlichkeit der Ausübenden. Kents Klangsprache, von einem unaufdringlichen, aber straffen Puls vorangetrieben, speist sich vor allem aus Elementen von Neoklassik und Ambient, ist fliessend und dicht zugleich. Trotzdem bleibt fast alles schwebend und durchhörbar. Dass sie auch anders kann, hatte sie auf dem Vorgängeralbum gezeigt, das von Polaritäten handelte und hier nur selten Widerhall findet. Eleganz und Zurückhaltung sind dagegen zwei Worte, die die Haltung von Julia Kents neuer Veröffentlichung gut beschreiben, wobei es immer auch Momente von Verdichtung und Spannung gibt. Wie wohl kaum anders, sollen die Stücke ja auch tänzerische Impulse setzen, wobei ich mir hier keine auf die Spitze getriebene Artistik vorstellen kann. Temporal bietet wunderbar sonor tönende Musik, zu der niemand den Sessel verlassen muss, vieles hat etwas von einem Traum, einer Reflexion über Begrenztheit und Zerbrechlichkeit der Existenz. Und ist zugleich eine Feier des Klangs, seiner Schönheit und Fülle.

Anspieltipps: Last Hour Story, Imbalance, Sheared      

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.4.2019


Pascow, Jade                                                                                                              

Kidnap Music/Rookie Rec., 2019 – 12 Songs, 31 Min.

Jetzt, da Pascow milde geworden sind, können wir sie auch ZORES HörerInnen zumuten. Ha, nur ein Scherz. Aber es stimmt schon ein bisschen. Offen für Neues zu sein ziert aber auch das Publikum. Zumal Pascows neues Album Jade jederzeit abwechslungsreich Finten setzt und Haken schlägt. Der Gimbweiler Vierer zeigt sich gut aufgelegt wie je und grüsst auch gerne die Guten wie Crass. Wer freilich ein Album, aus einem Guss durchgeknüppelt erwartet hat, muss gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Aber das ist gut so. Mittelmass ist manchmal keine Lösung, hier schon gar nicht. Weniger kryptischen Scheiss als vorher wollten Ollo Pascow, Botho Iommi, Flöter und Alex Pascow machen, aber das ist ihnen vielleicht nicht völlig geglückt. Geschenkt. Die grundlinke Haltung steht und der musikalische Rahmen ist weit, aber straff gespannt. Raffinesse und Eingängigkeit gehen hier Hand in Hand und legen einen hoch positiven Eintrag ins Schwarzbuch Deutscher Postpunk nahe. Dabei spielen Pascow seit Jahren schon in einer eigenen Liga, auch wenn der Alltag in Form von Broterwerb und Familienpflichten manchen Tribut fordert. Aufhören, wenn es am schönsten ist? Das dt. Sprichwort hat einen besseren Ruf, als es verdient. No future, das galt ja mal den herrschenden Klassen, gegen die sich eine andere Gesellschaft erfinden wollte. Ob das noch Punk ist? Die Frage ist wahrscheinlich älter als das Genre, und so gut wie bedeutungslos. Ja, Pankow haben das Wüten nicht verlernt, aber sie trauen sich mehr, sogar eine Ballade. Die könnte von Kuschelpunk entfernter nicht sein. Und sonst? Duette (mit Wick van Houdt, Bambix), Ska, Westernanklänge, Songtitel mit Komma drin. Aber auch Punkriffs zum Niederknien, präzises Geknüppel, Galle und Krawall. Genug Stoff für einen Tonträger, der als Titel den Namen eines besonderen Edelsteins trägt, dem heilende Wirkung nachgesagt wird. Und zugleich ein Frauenname ist, wobei weiblicher Gastgesang bei mindestens fünf Songs zu hören ist. Trotzdem wären mehr female Punkbands natürlich wünschenswert.

Pascows neues Album Jade: Ein ungeschliffenes Kleinod, letztlich auf der Höhe von Diene der Party. Aber in sich vielleicht weniger geschlossen, musikalisch abwechslungsreicher, ohne Wut und Verzweiflung vermissen zu lassen. Vielleicht ein bisschen erwachsener im Anspruch, dabei mit dem erfreulichen, gewohnten Biss. Nichts verlernt, aber auch Ungewohntes zugelassen zu haben, das ist die Stärke dieses ungebärdigen Biests aus Krach und Melancholie.

Anspieltipps: Silberblick und Scherenhände, Marie, Kriegerin Heute Jäger, morgen Taucher, Sturm, der durch Erlen zieht, Wunderkind       

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.4.2019


Amnesia Scanner, Another Life                                                                                   

PAN Records, 2018 – 12 tracks, 39 Min.

Unerwarteter weise stecken hinter dem Projekt Amnesia Scanner Menschen, zwei Finnen genau gesagt. Die gelernten Architekten Ville Haimala und Martti Kalliala gelten als scheu und zeigen sich ungern. Zunächst entwarfen sie gewöhnlichen Techno, dann aber beschlossen sie, eine neue Welt zu bauen. Eine Welt zwischen Entfremdung, Dissoziation und künstlichem Paradies: Amnesia Scanner. Dekonstruierte Klubmusik ist ein kleines, oft unter dem Radar fliegendes Genre. Amnesia Scanner operierten anfangs noch stärker in der Nichtsichtbarkeit, entzogen sich gängigen Vermarktungsstrategien – was ja auch eine Form davon ist. Der Sound war noch abstrakter, beeinflusst von Grime und Trap. Inzwischen zeigen sie sich etwas zugänglicher, auch wenn sie mit sehr speziellen Sounds hantieren. „Diese Klänge stammen von Programmen, die ursprünglich für Hollywoodsoundtracks entwickelt wurden“, erläutert Martti Kalliala. „Diese hyperreale Klangsprache ist uns aus dem Kino schon sehr vertraut. Vor etwa fünf oder sechs Jahren begannen wir und andere, diese Sounds zu manipulieren und in Clubkontexte zu bringen.“ „Auf „Another Life“ hat die Sampling- und Collagewut des Duos spürbar abgenommen. Das neue Gravitationszentrum bildet Oracle, eine computergenerierte Singstimme. „Wir wollten etwas haben, dessen Klangfarbe sofort mit uns identifiziert wird, mit einem Wiedererkennungswert wie bei Kurt Cobain.“ Nun besitzt Oracle mehr als das fünffache Oktavenvolumen des Nirvana-Sängers und klingt eher wie ein uneheliches Kind der Autotune-Technologie. Und doch ist – wie bei jeder guten Band – die Identität von Amnesia Scanner maßgeblich durch den Gesang geprägt.“ „Für das Album haben wir versucht, unsere Klangwelt der letzten Jahre in eine Popmusik-Form zu gießen“, so Ville Haimala. Dass das gelungen ist – der Sound auf „Another Life“ ist einheitlicher geworden, eingängiger und voller betörender Melodik – liegt nicht zuletzt an den Gästen. Labelkollegin Pan Daijing steuert auf zwei Stücken ihre Stimme bei. In „AS Chaos“ rappt sie über Eurodance-Synthesizer und Gunshot-Samples. „All around me it’s just chaos“, heißt es dort abwechselnd auf Chinesisch und Englisch. Haimala erklärt, dass ihnen Blogs von Überlebensfreaks als Inspiration dienten, die sich mit riesigen Konservenvorräten und selbstgebauten Bunkeranlagen auf den Tag des Jüngsten Gerichts vorbereiten. Amnesia Scanner Konzerte sollen Gesamtkunstwerke sein, in denen Licht und Raum (und Bühnennebel) tragende Rollen übernehmen und das Publikum durch Überfülle an Eindrücken ins Taumeln bringen. Rauschhafte Überwältigung durch Stress, wobei die Musiker von daher selber verborgen agieren. Der menschliche Faktor ist nicht so wichtig angesichts der Technik, die alles erst ermöglicht. Ein erfüllter Wunsch ist tendenziell langweilig, er begehrt den nächsten Wunsch. Ein wenig zumindest ist das auch die musikalische Strategie von Amnesia Scanner, deren Tracks dafür die hohe Kunst der Andeutung beherrschen. Alles, die pumpenden Basse, die blechernen Fanfaren, der entrückte Gesang ist dicht davor, Erfüllung zu verheissen, aber diese findet nicht statt. Das Versprechen wird nicht eingelöst, die Ekstase läuft leer. Das ist nur konsequent, denn eigentlich braucht es das Publikum auch nicht mehr. Dieser ganze Kosmos aus Klang und Licht erzeugt sich, einmal angeworfen, selbst und erschafft eine folgerichtig transhumane Struktur. Oracle singt perfekter und weiträumiger als jeder Mensch, der von daher auch abgeschafft werden kann. Roboter können schliesslich auch tanzen, wenn sie entsprechend programmiert werden. Obs zu was gut ist, ob es etwas bringt, ist letztlich egal. Another Life eben. Für den Menschen aus Fleisch und Blut ist diese Zukunft ohnehin zu viel, das ist ja an den ganzen reaktionären Protestbewegungen zu sehen. Hier hingegen: eine strahlende, heitere, verwirrende, apokalyptische Schönheit. Amnesia Scanner schenken uns mit ihren Sounds: eine Musik, in der das Ende des Menschen nicht als Bedrohung erscheint, sondern als Verheißung und Glück.

Anspieltipps: A.W.O.L., Too Wrong, Faceless, Securitaz, Chaos                     

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.4.2019 


s o w i e

Deerhunter, Why Hasn´t Everything Already Dissapeared? – 4A, 2019

Was bewegt Menschen dazu, in dieser ramponierten Welt Hoffnung zu haben? Das führt gleich zur Frage, die Bradford Cox als Albumtitel wählte. Die Antworten fallen oft düster aus, die Musik, die sie trägt, ist dagegen eher luftig und leicht, wenn nicht verspult-verspielt. Die Band spielt auf ihrem achten Album kaum mehr den gewohnten Garagenrock, sondern eine bunte Mischung, die die Fühler weit in den Bereich des weird pop ausstreckt und so einer platzgreifenden Depression zuvor kommt.

The Claypool Lennon Delirium, South of Reality – ATO Records, 2019

Pink Floyd in den Strawberry Fields: so wurde schon einmal der Höreindruck zusammengefasst. Dabei entstand das wundersame Duo doch daraus, dass Sean Lennon Les Claypool enthüllte, der Neffe von Neil Diamond zu sein. Weinglas beiseite, das Zweitwerk dieser beiden vielseitigen Musiker erweist sich erneut als klangsatte Wundertüte aus ebenso versponnenem wie treibendem Sound, erfüllt von beatleesker Psychedelik voller Witz.