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Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz |
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The
Antlers,
Blight Transgressive,
2025 - 9 Songs, 45 Min. Heimat
ist für Viele etwas Schönes, Heimeliges. Etwas, das bleibt, bleiben
muss, weil es schon immer da war. Da könnten wir schon mal zu
streiten anfangen, ob das stimmt. Und doch müsste die Diskussion um
Heimat, als Habitat gelesen, noch einmal auf eine ganz andere Stufe
gehoben werden. Denn diese Heimat, egal ob sie geliebt oder gehasst
wird, droht auf elementare Weise zerstört zu werden. Ja, schon bin
ich beim Klimawandel angelangt, der von Menschen inzwischen
wissentlich am Laufen gehalten wird und die Gestalt von Heimaten aller
Art unwiederruflich zu zerstören droht. Darum geht es im neuen Album
der Antlers namens Blight, davon singt Peter Silberman, unterstützt
von Michael Lerner am Schlagzeug. The
Antlers sind eine altgediente (2006) Indierockband, die mal mehr, mal
weniger heftig zu Werk ging. Blight, also „Heimat“, heisst das
eher zarte aktuelle Album. Wobei der erste Höreindruck täuschen
kann. Denn betörende Melodien und berührender Gesang
werden mit der Realität konfrontiert in Gestalt von allerlei
spukig Geräuschhaftem, das der gedankenlosen Verwertungswut unserer
Spezies entspricht. Heimat ist etwas, das vernutzt, zugemüllt und
zerstört wird, weil es zur Verfügung steht und wir nichts anderes
gelernt haben. Es
war die Begegnung mit der Natur ums Studio, die Peter Silberman zu
diesem Album bewegte. Das Zusammentreffen menschlichen Wirkens mit der
Sphäre aller anderer Lebewesen, die dadurch mindestens beschädigt,
wenn nicht ausgelöscht werden. Die oft metaphernreiche Sprache
Silbermans weicht auch deshalb hier schlichten, schnörkellosen
Worten. Die Lage ist ziemlich klar, nicht nur in der Grillsaison. Das
alles fasst diese Album in anrührende, sich aber vom Gram nicht überwältigen
lassende Songs. Es
hätte eine wütende Anklage werden können. Was der Mensch der Natur
(und sich selbst) antut ist ziemlich mörderisch und kaum mehr
gutzumachen. Aber würde uns das einer Lösung näher bringen? Es wäre
ja das Gleiche unter umgekehrten Vorzeichen. Die Antwort von The
Antlers fällt anders aus. Zurückhaltender, im Glauben, das eben noch
nicht alles verloren ist. Das die Hoffnung zwar nicht frei von Befürchtungen
sein muss, aber am Ende das ist, was uns bleibt und weiter singen lässt.
Anspieltipps:
Pour, Carnage, Something in the Air, Calamity Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 La
Dispute,
No One Was Driving The Car Epitaph, 2025 - 14 Songs, 64 Min. Auch
die Band La Dispute gibts schon ziemlich lang, ohne dass ich sie
bisher zur Kenntnis genommen habe. Lücken sind mein Höchstes, zumal
mit dem Wort Emo verbunden. Ah, aber ich hasse Emo-bashing. Emo bleibt
für mich ein bisschen schwierig. Aber in der Kombination mit den tags
post hardcore, screamo und spoken word sieht das anders aus.
Hoffentlich bin ich nicht im falschen Film. Ein
Film namens First Reformed und ein Unfall, bei dem im Wortsinn niemand
am Steuer sass (selbstfahrender Tesla) bilden das Grundgerüst des
einigermassen komplexen, ausufernden und mit unterlegten alten
Tonkonserven einen weiteren Zeithorizont eröffnenden fünften
Studioalbums der 2004 in Grand Rapids, Michigan beheimateten, dem Post
Hardcore (aber nicht nur) zuzurechnenden Band um den charismatischen Sänger
und Rezitator Jordan Dreyer, die mit ein paar Schlagworten kaum
einzufangen ist, zumal es hier auf No One Was Driving The Car, wie
oben erwähnt, ein Befund, um nicht weniger als Kontrollverlust geht,
ja, Kontrollverlust. Ist. Zu. Vermeiden. Dazu hilft das beigelegte
umfangreiche Textblatt. Um wenigstens in dieser Hinsicht auf der
sicheren Seite zu verbleiben. Inspirationen
aus dem Bereich der Kultur waren immer schon Bestandteil des
Songwritings bei La Dispute, aber hier ist die schiere Fülle der
Verweise und Bezüge nochmal um einiges höher. Aber die Band hat
Sekundärmaterial zur Verfügung gestellt, das den Diskurs sicher fördert.
Ansonsten unterliegt dem Ganzen eine dreiaktige Struktur, auf dem sich
dieses Drama von Kontrollverlust und Sinnkrise facettenreich
entfaltet. Bisschen viel Anspruch für mehr oder weniger populäre
Musik, mag sein. Aber Menschen machen sich eben auch abseits von
Seminaren und Instituten Gedanken und bringen sie in zugänglichere
Form - wobei das im Fall von La Dispute (!) schon auch ein hörenswerter
Widerspruch in sich sein mag. Ihre Dringlichkeit stellt die Musik mit
eher herkömmlichen Mitteln unter Beweis, wobei Jordan Dreyers Stimme
das Gesagte, den Zweifel, die Verwirrung und angelegentliche
Zerknirschung dramatisch unterstreicht. Wann, wenn nicht bei solchen
Themen, soll und muss unsereins emotional werden? Ja, ich weiss, das
verkürzt das Thema. Aber auch unter einer unterstelltenPose kann eine
Haltung liegen. Anspieltipps:
I Shaved My Head, The Field, Landlord Calls The Sheriff In, Top Seller´s
Banquet, Saturation Driver Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 Kim
Gordon,
Play Me Matador,
2026 - 12 Songs, 29 Min. Mit
der Welt draussen ist weiterhin nicht fertigzuwerden. Kim Gordon hat
das auch gar nicht vor, auch wenn sie wie viele von uns
desillusioniert hinschaut. Und dem, was sie sieht, mit Humor begegnen
möchte. Weils anders gar nicht geht, ohne Verzweiflung oder
Nihilismus anheimzufallen oder hoffen, dass ein “starker Arm“
Ordnung schafft im Tohuwabohu der technisierten Welt. Im Übrigen
gilt: Fasse dich kurz, trotz Krautrock-Energie. Und zähle mal in
einem Song einige der vielen Worte auf, vor denen Trumps Amerikka (und
andere) so furchtbar viel Angst haben. Wie eingangs. Wie
also auf diese vermaledeite Gegenwart reagieren, wenn jemand nichts
MEHR! mag als eine verstimmte Gitarre? Klarer Fall: Play Me, Kim
Gordon. Gekreuzt mit attitude, aufgefüllt mit Rock´n´Roll-Relikten
und ohne Rücksicht auf Kratzer am Denkmals als Noiserock-Ikone. Diese
Welt liefert Stoff, mach was draus. In diesem Fall erneut mit dem bewährten
Produzenten
Justin Raisen (Charli XCX, Sky Ferreira, Yves Tumor). Beiden gelingt
ein nervöses, fiebriges und lebendiges Album, das nur ein bisschen
allzu knapp geraten ist. Was
bleibt? Produktive Ohnmacht angesichts einer Welt aus obszönem
Reichtum, ungebremster
social media, grassierendem Antitainment via Spotify und der
bevorstehenden Weltherrschaft der künstlichen sogenannten
Intelligenz. Dann doch lieber noch mal in die Suppe spucken, die der
Herrschaft kredenzt wird. Klar, die haben schon soviel verkostet, dass
ihnen davon nichts auffällt. Und trotzdem, es muss. Distinktion gibt
es nicht nur oben. Diesem Club, der die Welt zu regieren scheint, möchte
ich auch nichtangehören. Und ob die Physik des Lebendigen ihm
beitritt, ist zweifelhaft. Hier liegt ein Quantum Trost. Und in ungebärdiger
Musik ebenso. Anspieltipps:
No Hands, Black Out, Busy Bee, Sub Con, Post Empire, Nail Biter, Byebye25 Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 Author
& Punisher,
Nocturnal Birding Relapse,
2025, 8 Songs, 34 Min. Vögel
inspirieren die Menschen schon lange und auf viele Weise. Ihre
Flugfertigkeiten etwa, die zu lange vergeblichen Nachbauten anregten.
Oder der Gesang, der nicht nur beim französischen Komponisten Olivier
Messiaen klanglichen Niederschlag fand. Auch Tristan Shone, seines
Zeichens Maschinenbauer, hat sich nach eigenen Worten zuletzt von
Vogelrufen inspirieren lassen. Dabei wäre von ihm eher ein
mechanisches Vogelwesen zu erwarten gewesen, wenn eins weiss, dass
dieser Mann als Author & Punisher seit langem brachiale Geräuschmusik
mit heftigen Metal-Anteil fertigt. Nun denn, Nocturnal Birding heisst
dennoch sein aktuelles, apokalyptisches Album. Und es sind
wahrscheinlich Phönixe und Hippogreife, deren Gesang in den Klängen
ihren Niederschlag gefunden hat. Und nicht die Nachtigall. Oder
ist es ein Vogel wieAl Jourgensen auf einem Ast, der Author &
Punishers Tristan Shone ins Ohr keift? Nocturnal Birding ist von
Vogelrufen inspiriert, die aber ziemlich drastisch verwandelt in
Rhythmen und Atmosphäre eingegangen sind. Doug Saboliks (A Life Once
Lost) Gitarre bringt mit
massivem Geriffe tonnenschweres
Leben in die stampfende Klangmaschine. Zugegeben, das Ganze organisch
zu finden, fällt ungeachtet an den Sohlen klebender Sludge-Anteile
nicht immer leicht. Denoch wohnt brodelndes Leben in dieser dräuenden
Musik, nicht zuletzt vertreten durch ungewohnt zahlreiche Gäst*innen
(Megan Oztrosits - Couch Slut, Kuntari und Fange). Ein
umfassendes Anliegen nicht nur zugunsten der Natur vertritt Author
& Punishers Album Nocturnal Birding.
Wenn auch in nachtdunkler Verpackung und mit dem Hammer in der Hand.
Vielleicht nicht der schlechteste Einschlag in ein Biotop, dass sich
zwar gerne in Misanthropie ergeht und womöglich dafür eine
gnadenlose Natur abfeiert, aber auch keine Lösungen vorweist. Die
sind zwar hier auch nicht in Sicht, aber der einigermassen
optimistische Ansatz, der in dieser rabenschwarz erscheinenden
Soundarena aufscheint, ist gar nicht so schlecht. Anspieltipps:
Mute Swan (feat. Megan Oztrosits - Couch Slut), Black Storm Petrel
(feat Fange), Titmice, Thrush Hans
Plesch für ZORES auf Radio Z, 2.6.2026 Divide
// Dissolve,
Insatiable Bella
Union, 2025 - 10 tracks, 34 Min. Unersättlich
zu sein hat keinen guten Ruf. Für ihr neues, ohne Drummerin Sylvie
Nehill eingespieltes Album wählte Takiaya Reed denoch diesen Namen:
Insatiable. Vielleicht weil sie da die Grenzen des doomigen Konzepts
von Divide//Dissolve weiter sprengt, in ganz andere Bereiche hin auflöst.
Die Künstlerin hat, um die Bandbreite ihres Schaffens anzudeuten,
immerhin unlängst ihre 1. Sinfonie vorgestellt. Takiaya
Reeds Divide//Dissolve verknüpften ja Doom mit klassischen Materialen
und reichlich Atmosphärischem. Und
unterfütterten die Sounds mit Postkolonialismus, Abkehr von
westlichen Hierarchisierungen und Vorstellungen einer befreiten
Zukunft. Ein mutiger Ansatz in einem Genre, dem das nur bedingt anzuhören
ist. Wobei D//D dabei nicht alleine stehen. Und die Frage erhebt sich,
wie sich das am Klang festmachen lässt. Die Antwort ist natürlich,
dass die festgefügte Ordnung des Vorgefundenen in Bewegung gebracht
wird, ins Tanzen sozusagen und seine Grenzen verlässt. Ohne den Geist
der Musik dabei völlig aus den Ohren zu verlieren. Insatiable lässt
sich so auch als Bündel Studien hören. Das Dunkle und Verlangsamte
des doom wird in musikalisch andere Sphären überführt. Und wenn
dann Reeds Saxophon sich in dark ambient Regionen verliert, ist das
auch recht. Es ist ja noch nicht das letzte Wort. Das
je Eigene von kolonial unterworfenen Menschen steht im Zentrum der
Kunst von Takiaya Reed. Dazu bedient sie sich Formen des weissen
Kulturkreises und eignet sie sich an. Doom hat ohnehin etwas
zeremoniell Hymnisches und mag sich mit seiner Kraft und Wucht dazu
besonders zu eignen. Insatiable zeigt, wie wenig es dazu braucht:
Reeds Saxophon und Gitarre, Seth Chers drums vor allem. In
einer Vision entblösst bis zum Herzen der Musik. So wird den Kräften
der Zerstörung ein Sturm von Empathie und Mitgefühl entgegengestellt
und genau dabei sollten wir sein: Unersättlich. Anspieltipps:
Hegemonic, Monolithic, Loneliness, Provenance, Disintegrate Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 Ada
Rook,
Unkillable Angel self
release, 2025 - 13 Songs, 39 Min. Ada
Rook habe ich mir (und natürlich euch) seit Jahren vorenthalten. Dumm
gelaufen. Dabei hätte es jede Menge Gelegenheit gegeben, über sie
und ihre Aktivitäten zu stolpern (metaphorisch natürlich). Da wären
Bandprojekte wie Angel Electronics oder Black Dresses, allerlei
Aliasse und Produktionen unter dem eigenen Namen. Und wer sich Ada
Rook nun als verträumte Singer-Songwriterin vorstellt, der irrt. Ada
Rook ist nicht leise. Sie mag Träume haben, aber die können mehr als
Spuren von Blut und anderen Flüssigkeiten enthalten. Und was den Pop
angeht, der ist am Explodieren. Um dann in Zeitlupe in sich zurückzuschnurren,
unter Hinterlassen einer zarten Spur von Wasabi-Popcornaroma. Unkillable
Angel heisst das Album von Ada Rook und der Titel bringt ins Grübeln.
Müssen Engel nicht ohnedies Einiges aushalten? Qua schwebender
Existenz, gegliedert in allerlei Heerscharen? Vermutlich schon, auch
wenn sie sich auf einer Nadelspitze zu Legion die Füsse abwetzen.
Doch so theologisch ist das alles nicht gedacht. Es geht um das
verletzte Kind, das Ada Rook einmal war. Und es bleibt keine Wahl
ausser dem Standhalten. Bei aller Misanthropie (Der Fehler der Welt
ist, dass sie uns beinhaltet, steht aud ihrer Website) ist das verständlich.
Unkillable Angel ist ein Beweis dafür, ein delirierender Bastard aus
Industrial, Aggrotech, Cybergrind, Arcade-Spielen und Dancesounds,
verquirlt zu einem rabiaten Bastard, erfüllt von persönlichsten Gefühlen. Frauen
können Lärm, warum auch nicht. Das haben Künstlerinnen wie Himukalt
oder Military Posizion ebenso bewiesen wie Aya oder Uboa. Sie gehen
vielleicht inzwischen unbefangener mit diesem mit Männlichkeit
gepimpten Genres um. Und selbstbewusster. Unkillable Angel von Ada
Rook ist ebenso verstörend wie betörend, umwerfend wie poetisch
(hinter den Noiselabyrinthen), gewalttätig und zärtlich, Raserei und
Suche nach dem Sinn des Lebens. Mindestens. Lasst uns ein Stück
zumindest mitgehen. Anspieltipps:
cortisol_inside cortisol_explosion excessive_cortisol
cortisol_everywhere, PARTY
TIME SEXY DISORDER, ALL Tails Deaths Animations, BURY YOURSELF, LOSE
YOURSELF, weed store kratom, sun's violent arc Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 The
World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die,
Dreams Of Being Dust -
Epitaph, 2025 - 11 Songs, 44 Min. Überraschung.
Hier kommt Emo - ein Genre, das ZORES noch nie bedient hat. Am
Ende ist alles gut, die Erde ein schöner Ort und es gibt keinen
Grund, sich vor dem Sterben zu fürchten. Ja, das könnte stimmen,
Trost bieten und trifft sicher zu, wenn wir, wieder einmal, von der
Existenz menschlicher Niedertracht absehen. Dann legen wir uns ins
sacht zitternde Gras, als Teil der Allmutter Natur und hauchen noch
ein letztes Mal, bevor dann emsige Wesen den Verwesungsprozess
einleiten und uns schliesslich als Staub mit der Erde vereinen. Die
Band mit dem episch-einschlägigen Namen The World Is A Beautiful
Place & I Am No Longer Afraid To Die
starteten in den 2010er Jahren das Emo-Revival mit, erweitert
um Postrock Anteile. Ein Kennzeichen war nicht zuletzt der Wechsel
zwischen weiblichem und männlichem Gesang, der hier, auf Album Nr. 5
durch heftigen Gäste-Einsatz etwas in den Hintergrund tritt. Aber das
ist eben gelebte Kunst-Solidarität. The
World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die bleibt
ihren Emo-Wurzeln auf Dreams Of Being Dust ziemlich treu, fährt den
Postrock-Anteil deutlich herunter und lässt Metalcore und Screamo
deutlich mehr Raum. Ja, sie sind wütend. Und zurecht, wie wir alle
wissen. Das zeichnet die Musik detailliert und mit einschlägigen
Mitteln präzise nach. Und trifft auf den Punkt, ungeachtet aller hier
erwartbaren musikalischen Klischees, die immerhin höchst kunstvoll
eingesetzt werden. Ja, alle diese Mittel durfte oder musste unsereins
schon auch zuvor hören und dessenungeachtet entwickelt sich daraus
ein in Trotz gebadetes und recht tiefes Einverständnis. Dreams of
Being Dust geht mit aller Macht und gelegentlcher Zurückhaltung ans
Herz. Die
Welt als schöner Ort? Denkbar, aber nicht hier und jetzt. Keine Angst
vor dem Sterben? Ja, vielleicht. Aber nur, weil das miese kleine
zuckende Leben im täglichen Kampf um die Existenz ja längst alle
Angst in sich gefressen hat. Und daran erstickt, wie und mehr und mehr
klar wird. Und wahrscheinlich werden nicht einmal die happy few davon
verschont, die sich in Unsterblichkeitsfantasien flüchten. Nun, denn,
ihr Lieben da draussen. Wappnet euch. Zumindest ein bisschen. Und
lasst dabei euer Herz nicht verhärten. Das ist die Kunst und
vielleicht lehrt uns das auch ein bisschen dieses ziemlich überwältigende
Album von The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid
To Die. Das genau darum auch hier reingehört. Anspieltipps:
Dimmed Sun, Beware the Centrist, Oubliette, Reject All and
Submit, For Those Who Will Outlive Us Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 Viz
Michael Kremiez,
Ambient Koan Sleeper
Rec., 2025 - 11 tracks, 70 Min. Ein
Koan ist im Zen Buddhismus ein Paradox, das zum tieferen Nachdenken
anregen soll. Etwa: Was für einen Klang erzeugt das Klatschen mit
einer Hand allein? Viz Michael Kremiez ist langjährig Klangreisender
mit der Shakuhachi (Flöte) und Zen-Übender und bringt auf dem Album
Ambient Koan beides zusammen. Mit sinnverwandten Gästen wie Limpe
Fuchs, Jochen Irmler oder Troum. Musik
entfaltet sich in der Zeit. Das gilt selbst für die Reise eines
einzelnen Tons. Da ist es nicht ganz einfach, dabei jederzeit bei
sich, im hier und jetzt zu sein. Die Ausdehnung der Schallwelle(n)
erschafft zudem einen dreidimensionalen Raum, in der sie sich und ihre
Geschwister fortträgt, zum Klingen bringt. Ich glaube, genau diesen
Phänomenen geht Viz Michael Kremiez nach, mit dem gebotenen Ernst,
also spielerisch. Und mit langem Atem, der der Würde jedes Tons
angemessen ist. Somit ein klanglicher Koan, der zu keiner Auflösung
strebt, sondern sich ganz im Moment nachlauscht. So,
im Atem, findet die Musik hier zu sich. Sie bleibt sich ähnlich. Sie
bezieht sich auf unterschiedliche spirituelle Praktiken und so streift
sie auch Thelema. Obwohl der dort praktizierte Zen vermutlich von
anderer Art war. Einheit der Gegensätze, mach daraus ein Koan. Mit
Limpe Fuchs führt ein Weg dahin, ins Haus. Viele Wege führen ins
Haus. Die Welt ist, aus der Weite betrachtet, auch ein Haus. Auch wenn
wir dort nur Gäste sind. Und sie mit Musik erfüllen, manchmal. Da
klatscht dann eine Hand dazu, in der anderen hält sie die Flöte an
die Lippen. Anspieltipps:
Broken Gods, Fire of the Mind (COIL), Weg ins Haus m. Limpe Fuchs,
Jamagoe m. Jochen Irmler, Sleep m. Reiko Ozaki Hans
Plesch für ZORES auf Radio
Z, 2.6.2026 |