Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten   

Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz 

 

 

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Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Das Nullte Kapitel, Kreismusik, 2017 - 15 Songs, 60 Min.

Das nullte Kapitel gebiert sich aus den Krakenarmen des Wortmonsters, des Buchstabenungeheuers,  des sechsundzwanzigfüssigen Enzyklopen. Das nullte Kapitel entringt sich im Wortgefecht zwischen Meister und Idiot, Reimzwang und Wortklang. Das nullte Kapitel ist kein Anfang, es steht mittenmang. Und Pythia rockt vor ihrem Dreibein und erträumt sich Käptn Peng als Einstein. 1000 Tentakel aus ausgesuchten Buchstabensetzungen kringeln nicht etwa den Namen Cthulhu, sondern eine ungewisse Melange, die auch Hiphop sein kann. Aber wo bleibt der Diss? um es mit einem bekannten Rapper zu fragen. Ja, aber. Gedisst werden hier die blöde Normalität, die Verfahrensfragen, die Regelungen nach DIN EN ISO sonstwaseff, Phantasielosigkeit und das Kleben an der Realität. Also. Aber Verzweiflung ob der Lage können andere besser. Das Chaos als Chance ist so eine Richtung auf dem Kompass, der der Käptn gerne folgt. So also, in diesem mal hellsichtigen, mal die Grenzen des Kalauers streifenden Wörterseen segeln Käptn Peng und seine umsichtig agierende Crew in den Sturzwellen des selbstbewusst durchpflügten Wörtermeers, dabei keinen logorrhotischen Brecher scheuend. Dabei zu sein, brauchts kein Abitur, aber doch ein bisschen Lust an verquerem, bisweilen auch verquältem Sprachwitz. Der Käptn aka Robert Gwisdek ist anders als sein alter ego, der Schauspieler, hier kein Wasserhahn, aus dem die Rollenworte fliessen, sondern ein launiger Springquell seiner höchsteigenen Wortsetzungen.

Ums mit den Worten der Intro zu sagen: „Peng, Bing, Dada, Pi: Käptn Peng rumpelt wieder ein wenig Nonsens und Philosophie in den deutschen HipHop.“ Philosophie gar. Nun eben, und nicht einmal vor einem bitterfarbenen Liebeslied schreckt die Combo mit ihrem ausgesuchten Instrumentarium diesmal zurück. 1000 Kammern im Kopf, und alle wollen durchwandert werden, wobei die Topographie manchmal verrückte Streiche spielt trotz korrekter Anwendung der Kreiszahl Pi. Irgendwo muss es ja liegen, das nullte Kapitel, mit dem alles begann, bevor es losging um fortzufahren, weiterzustromern, zu erkunden, sich zu verlieren, in Tanzschritte zu fallen, geborgen im Treibsand, gespiegelt im Labyrinth, sanft schaukelnd im Wörtermeer, geträumt, verräumt, aufgezäumt. Nicht alle Reime sind wirklich gut, auch die Musik geht manchmal billigen Klischees auf den Leim, immer wieder wird Ähnliches auf neue Weise in Wörterkästen verstaut, bis die platzen. Ziemlich egal. Es gilt die lange Strecke. Da geht’s anders aus. Das nullte Kapitel ist ein Kreisverkehr, in dem Käptn Peng sich auch mal die Vorfahrt nimmt. Das nullte Kapitel ist ein Glückskeks, in dem kein Zettel steckt, sondern allerlei Erleuchtung in allerdings ganz kleinen Portionen. Das nullte Kapitel ist Versuchung und Erfahrung, ist eine Rückkehr zu den Anfängen vor den Anfängen, ist Einübung ins Selbstverlieren, ist Drehwurm, Swing und Plankton, herrlich verrückt und stellenweise verzückt. Und Compton liegt weit übers Meer.  

Anspieltipps: Im Labyrinth, Neue Freunde, Wobwobwob, Tango im Treibsand, Pförtner, ABCDE…, (pi), Gelernt, Tier

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017 


Oxbow, Thin Black Duke, Hydra Head Rec., 2017 - 8 Songs, 38 Min.

30 Jahre unterwegs und nie auf einen bündigen Nenner zu bringen. Das sind Oxbow, die vierköpfige Band aus San Francisco um den charismatischen Sänger Eugene Robinson. Thin Black Duke, in mehrjähriger Arbeit entstanden, ist fast so etwas wie ein klassisches Popalbum geworden, klassisch in mehr als einem Sinn. Denn Niko Wenner, der Mann an Tasten und Gitarre, spricht von den Einflüssen, die ua Bachs Goldbergvariationen auf die Albumkomposition hatte. Folglich tauchen ausser Leitmotiven auch der Oboist Kyle Bruckmann und ein 16köpfiges Orchester aus Streichern und Blech an entscheidenden Stellen auf. Wer allerdings nun nette, nach Schema F verfertigte Songs erwartet, liegt natürlich falsch. Denn Oxbow waren auch und sind es immer noch, Meister darin, Unerwartetes entstehen zu lassen, Aus- und Zusammenbrücke kreativ zu nutzen und sich die Bälle spielerisch um die Ohren zu fliegen zu lassen. Darin und darüber die zwischen hektischer Anspannung und relaxtem Croonertum fliessend wechselnde Stimme Robinsons.

Oxbows neues Album Thin Black Duke ist ein über weite Strecken hin beinah entspanntes Meisterwerk voller Haken und Ösen. Und natürlich auch Wucht. Ungestüm und Gewalt lauern, fast gebändigt, grad unter der Oberfläche, an der sich der Gentleman die Manschetten richtet. Es ist eine Frage des Respekts, der Haltung. Des Alters, der Einsicht. Und alles ist Spiel, denn plötzlich tut sich die Arena auf. Leichtfüssig bewegen sich die Protagonisten darin, täuschen an und setzen Treffer an unerwarteten Stellen. Dazu erklingen majestätisch Choräle und Fanfaren, kreischen Gitarren, erhebt sich Eugene Robinsons durchdringende Stimme ins Falsett. Oxbow sind im technischen Sinn keine besonders produktive Band mit gerade mal sieben. Alben in dreissig Jahren. Aber all ihre schöpferische Energie fliesst eben, nach langen Jamsessions, in diese Veröffentlichungen, in der unterschiedliche Einflüsse zumeist nicht eben friedfertig in eins gehen. Thin Black Duke wirkt da beim Drüberhören erstmal verhaltener. Es zeigt Stil, eine leicht krätzige Eleganz, wie es dem Titel zu entsprechen scheint und dem unpolierten Messington des Covers. Die Spannungen, von denen die Musik zehrt, sind nicht so ganz offensichtlich. Die Brüche nicht so massiv. Die Stimme als Instrument beinah harmonisch. Die Kraft, die sich in all dem verbirgt, sie ist nicht bullig oder roh. Sie ist eher straff und muskulös und allenfalls darin eine Anspielung an Bowies zwielichtige Figur. So haben Dan Adams, Greg Davis, Eugene Robinson und Niko Wenner ein Album herausgebracht, das nicht mit grossen Gesten Eindruck schindet. Aber es macht sich auch nie kleiner, als es ist. Es kommt ohne offensichtliche politische Äusserungen aus, aber im Kern ist es jederzeit trotzdem ein Statement. Es geht nicht zuletzt um Kraftverhältnisse, offensichtliche wie verborgene. Und bei all den vielen Worten, die fallen: Es ist Theater. Es sind die Hände des Duke, die letztlich sprechen. Wie gewünscht, haben Oxbow mit Thin Black Duke ein Album eingespielt, das sie ziemlich sicher überdauern wird. Ohne dass es von zeitlos toter Schönheit wäre.

Anspieltipps: Cold & Well Lit Place, A Gentleman´s Gentleman, Letter of Note, The Upper, The Finished Line

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017 


EA80, Definitiv: Ja!, Vertrieb: Majorlabel, 2017 - 11 Songs, 42 Min.

EA80 stammen aus Mönchengladbach, sind seit 1979 ununterbrochen aktiv und verkörpern wie kaum eine andere Band das Abgründige im Deutschpunk. Um zeitgemässe Kommunikation und ähnlichen Schnickschnack haben sie sich nie geschert, ihre Botschaft ist einzig die Musik. So, das zur Einführung. Ein paar Worte folgen noch. Definitiv: Ja! ist ihr 13. Album und definitiv kein Gegenstück zum Vorgänger Definitiv: Nein!

Du musst nur die Laufrichtung ändern. Im Kreisverkehr. Nein, schön war es nie, noch gar irgend produktiv oder billig aufwiegelnd, was EA80 an Musik auf die geplagte Menschheit losliessen. Daran hat sich auch mit Definitiv: Ja! nichts geändert. Auch die Musik ist nirgends neu, sie knüpft an den schrabbeligen und unverschnörkelten Drei-Akkorde-Punk klassischer Schule an, auf dem der ebenso düsterfunzelige wie scharfkantige EA80-Kosmos samt Inhalten aufgebaut ist. Ein Schluss ist ein Schluss, da hilft kein Aufbruch, kein Neuanfang, sowieso kein Ja. Weils einfach weitergeht, ohne Ziel und Zweck. Aus 1000 nutzlosen Dingen erlöst nur (vielleicht) der Tod. Bei aller Konkretheit bleiben die Texte fragmentarisch und ein Stück weit rätselhaft. Es geht ums Ganze und EA80 stürzen daher sich mit Verve in ihre Musik. Darin liegt das Positive. Ohne Abstriche bleiben sie ihrem schnörkellosen Stil treu und verzichten einfach darauf, sich irgendwie neu zu erfinden. Trotzdem ist auf Definitiv: Ja! innerhalb aller Genrebeschränkungen genug Abwechslung geboten.  Es ist ja eine Atmosphäre der Grämlichkeit, wo nicht gar der grauen Verzweiflung, die die Texte und den Gesang dieser Band so einzigartig macht. Aber es bleibt dann nicht dabei stehen. Über die Musik entwickelt sich die Gegenreaktion, die alles überhaupt erst aushaltbar macht. Die Musik als Gegengift im Kreisverkehr, wie die kleinen Betäubungen im misslaunigen Alltag, es ist alles Droge, was die Existenz überhaupt erträglich macht. So eins das nicht etwa in solidarischer Sorge und Verbundenheit zurande bringt, zB. So muss es also weitergehen, in den gewöhnlichen Lebensverrichtungen ebenso wie in den künstlerischen Überäusserungen wie der Erstellungen eines Albums mit einer Art beinah versöhnlichem Schluss. Womöglich wird er ja doch vermisst, der schlechte Tag, wenn er vorüber ist. Er wurde immerhin erlebt. So ein Erlebnis ist zweifellos auch dieses neue Album von EA80 geworden. Und mit einem "Vier gegen den Überbau" covermässig einmal mehr auf den bildnerischen Nenner gebracht. 

Anspieltipps: Ramputage, Riot Grrrrrrls, November, Alte Schule England, Definitiv: Ja!, Schlusslicht     

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017 


Atriarch, Dead As Truth, Relapse, 2017 - 6 Songs, 32 Min.

Ab und zu öffnen wir den ZORES-eigenen Giftschrank und holen euch ein frisches Stück Todesblei zum allfälligen Genuss hervor. Mit Songtiteln wie Inferno, Hopeless und selbstverständlich Death zeigen Atriarch, wo der Hammer hängt, resp. mit welch bewährten Problemzonen menschlichen Daseins die werte Hörerschaft klangtechnisch konfrontiert wird. Selbstverständlich hat auch diese Band Doom und andere Spielarten von Düstermucke nicht neu erfunden, liefert aber ein ebenso gediegenes wie intensives Stück einschlägiger Musik ab. Fehlanzeige dabei sind alle Arten von Frohsinn und Firlefanz. Auch musikalische Extravaganzen, wie sie der fortgeschrittene Post Black Metal gerne genresprengend bemüht, kommen hier eher nicht zum Tragen, selbst wenn allerhand knispelndes Geräusch eingearbeitet wurde. Black Metal selber und Postrock waren weitere prägende Bestandteile der Musik der aus Portland stammenden Band Atriarch. Sie wurden aber auf dieser 4. (5., je nach Zählung) Veröffentlichung zugunsten eines merklich höheren Doom-Anteils zurückgefahren. Das treibt die Hoffnungslosigkeitswerte auf der nach oben offenen Depri-Skala weit nach oben. Kurz gesagt, Dead As Truth von ist alles andere als ein Sonnenschein  von einem Album – was ja auch so sein soll. Bedrückend schwer, zähfliessend und alle Fitzelchen von Optimismus zermahlend wälzt es sich voran und begräbt das Publikum umstandslos unter Wogen von Hoffnungslosigkeit. Dessen ungeachtet sollte allerdings das feingewirkte(!) Zusammenspiel der Band nicht aussen vor gelassen werden. Es sind dies Lenny Smith mit tragenden, meist klaren Vocals, Maxamillion Avila, dr, Joshua Dark (git) und Andy Savage (b), die wagemutig „das kalte Herz des Todes umarmen“ (Bandzitat).  

Eine ordentliche Packung Schwermut und Kälte leget das Quartett mit seinem neuen Album auf die  erwartungsfrohen Ohren. Unpassend erscheint da allenfalls der Veröffentlichungstermin im August, aber jetzt, in diesen dunklen Tagen, ist diese bedrängende Musik genau richtig, bei einer guten Tasse Tee, gerne auch mit Zusatzstoffen, und in ein paar viele warme Decken gehüllt, genossen zu werden. Ja, natürlich geht es auch darum. Da wären dann noch weitreichende, fast ein wenig an die Swans erinnernde Spannungsbögen zu nennen und eine okkulte Energie, die der Musik gegen alle Erwartungen ein inneres Feuer verleiht. Das sich die Spieldauer auf gerademal eine halbe Stunde beschränkt ist zwar einerseits schade, aber vielleicht auch einfach besser so.

Anspieltipps: Inferno, Void, Devolver Repent                                                                                     

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017 


Andreas Dorau, Die Liebe und der Ärger der Anderen, Staatsakt, 2017 – 2x 10 Songs, 39 u. 41 Min.

Ein Grosswerk, in jedem Sinn. Andreas Dorau, der Grandseigneur des deutschen Pop-Chansons, legt mit Die Liebe und der Ärger der Anderen ein prachtvoll überbordendendes Doppelalbum vor, dass das Leben und verschiedene darin gemachte Erfahrungen auf nichts weniger als den Punkt bringt. Nicht mehr und nicht weniger. Ausgestattet mit feinster Reimerei und getränkt in zum sofortigen Mitsingen zwingende Melodien greift Dorau nach den Sternen. Und – er kriegt sie zu fassen, er kriegt sie mit diesem Album alle. Mitgeholfen haben einige gute Freunde, Freunde wie mensch sie sich nur wünschen kann: Francoise Cactus, Mense Reents, Wolfgang Müller, Luca Anzilotti (Snap!), T.Raumschmiere, um nur diese zu nennen und es ehrt sie. Eigentlich wäre man auch gerne dabeigewesen und hätte ein Scherflein mit beigetragen. Andreas Dorau war noch nie mit einem Album in den Charts. Was eher gegen die Charts spricht. Trotzdem hat er dafür bei Die Liebe und der Ärger der Anderen alle musikalischen Register gezogen (alle textlichen sowieso). Um und bei Post-NDW ist alles aufgeboten, was das Herz begehrt und manches frühere oder später auch noch. Mit sicherer Hand wurden Melodie und Rhythmus verfügt, Klangfarben beigegeben und berührende Worte eingebettet, die sich aus dem Erfahrungsschatz eines geübten, aber stets diskreten Beobachters speisen. Wenn die Welt noch ein Fitzelchen Vernunft walten lässt, woran ja gelegentlich zu zweifeln ist, dann geht dieses Album von Andreas Dorau seinen rechten Weg nach ganz oben.

Musikalische Zuckerwürfel sinds, die Andreas Dorau seit „Fred vom Jupiter“ mit altersloser Stimme unbeirrt seit Jahrzehnten dem Publikum darbietet, und das ist ja eine feine Sache. Jedenfalls heisst das öfter so. Aber wer genauer hinschmeckt, spürt bald noch einen anderen Geschmack, etwa von Vermouth oder Absinth, die dem Ganzen eine feine, bittere, manchmal auch melancholische Note geben. Ja, das Leben und vor allem die Liebe sind manchmal ganz schön komisch, manchmal auch unerträglich, aber vor allem auch unausweichlich. Das gilt auch für manche Begebenheit, die rasch für einfach schlecht ausgedacht gehalten werden könnte, wenn sie Andreas Dorau nicht miterlebt hätte und nun auf diesem fulminanten, bittersüssen Album in passende Verse gekleidet und mit charmant ins Ohr gehender Musik versehen hätte. Andreas Dorau bemerkt selbstverständlich das Absurde mancher Situationen, aber er macht sich nicht darüber lustig. Andreas Dorau hat Geschmack, ohne davon Aufhebens zu machen. Andreas Dorau umarmt lieber eine Schwanenhyäne, als dass er einen Bademantel trüge. Aber jede Wette, dieser Bademantel wäre keineswegs zu klein. Andreas Dorau begleitet mich schon Jahre meines Lebens und manche Zeile und manche Tonfolge will zurecht nicht mehr aus meinem Ohr raus. Von dieser Sorte Chanson zum Verlieben ist auch hier genug zu finden.

Anspieltipps: Liebe ergibt keinen Sinn, Dies ist nicht real, Liebe in Dosen, Ossi mit Schwan, Radiogesicht, Liebe Bürger, Ein Stern mit drei Zacken, Sybilla Maria Merian, Ein Pseudonym

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017 


Here Lies Man (same) RidingEasy Rec., 2017 - 9 Songs, 39 Min.

Was wäre wenn Black Sabbath Afrobeat gespielt hätten? Ein interessantes Gedankenexperiment, das tatsächlich schon ähnlich durchprobiert wurde (The Budos Band, Charles Bradley). Aber es gibt jetzt auch das knackige, spielfreudige unbetitelte Album von Here Lies Man, das sich via Labelinfo genau auf diesen Nenner bringen lassen soll. Und? Ja: Isso (im Grossen und Ganzen, und Goat lassen wir mal beiseite). Marcus Garcia von Antibalas hat Here Lies Man ins Leben gerufen und verbindet dabei umstandslos spannungsreiche afrikanische Rhythmen mit dem Riffing von gutem alten Heavy Rock. Das geht herrlich ungezwungen zusammen und ins Ohr. Die unterschiedlichen musikalischen Traditionen, die Garcia sehr gut kennt, ergeben zusammen etwas Neues, das darüber hinaus wächst. Das liegt natürlich auch an den innewohnenden Ähnlichkeiten des musikalischen Materials, nicht zuletzt der Kraft der Wiederholung. Und es sollte schwer, wuchtig, psychedelisch werden, was sich dialogisch über den stringenten Rhythmen entfaltet. Here Lies Men wurde von Marcus Garcia (git, b, keys, voc) zusammen mit Geoff Mann, dem Sohn von Herbie Mann eingespielt (dr, perc) sowie Richard Fanta (congas, perc.). Die energetische und zugleich leicht verspulte Intensität, die die Musik entfaltet, überzeugt unmittelbar.

Es gibt Einschränkungen. Für Orgelhasser_x ist das nix. Es sind nicht nur, aber immer wieder die massiv funky groovenden (ja, diese Anglizismen sind hier einfach angemessen) Orgelsounds, die diesen musikalischen Trip beflügeln und über dem afrikanisch inspirierten Rhythmusgeflecht vorantreiben. Für mich funktionierts aber. Einerseits ziemlich geerdet, andererseits völlig losgelöst: Was noch so ein nerdiges Hipster-Ding hätte werden können, überzeugt auch ohne Kenntnis der Voraussetzungen als ebenso ungezwungenes wie hypnotisches musikalisches Fest.

Anspieltipps: When I Come To, Letting Go, So Far Away, Belt Of The Sun, Here Lies Man        

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 7.11.2017