Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten   

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AUN, Motorsleep                                                                                                  

Alien8 Recordings, 2009 – 8 tracks, 57 Min.

Gläsern und verhalten beginnt, was wenig später Fahrt aufnehmen wird: Auns aktuelles Album Motorsleep.

Ein sachter Dunst aus Tonwolken wabert beim Projekt von Martin Dumais aus Montreal und verwandelt sich in schroffen Rhythmus, angefüllt mit Resonanz. Das kanadische Label Alien8 hat ja in letzter Zeit mehr als nur eine Tendenz zum Abgründigen und Bodenlosen entwickelt und die Musik von Aun fügt sich da bruchlos ein, vertritt sogar eher die lichtere Seite des so beschworenen Klangkosmos. Auch wenn Dumais seine Musik als Mixtur aus fremdartigem Metal und

Selbstversenkung als lähmenden Gifthauch sieht: Es steckt eine Menge Bewegung und Intensität drin.

Gitarre, Violine und natürlich Elektronik finden Verwendung bei AUMs Motorsleep-Album, beim Stück With Bows Bent auch Gitarrenunterstützung durch /de.i.te/ , wer auch immer sich unter dem Namen verbirgt. Martin Dumais ist schon lange in der Montrealer Musikscene aktiv und es ist auch nicht das erste Aum-Release, mit diesem Album hat er sich aber noch einmal neu erfunden. Natürlich gibt es Spuren zurück zu Bands wie Cluster, aber auch Verweise auf die bedrängenden Drones von SunO))). Die Klangwogen, die sich im Zentrum des Albums auftürmen, rufen schliesslich niemand Geringeres als die Swans in Erinnerung, natürlich ohne Gesang. Hier fehlt, nicht zum Nachteil erstaunlicherweise, deren Rauheit. Bei Motorsleep wirkt das Meiste ausgefeilt und formbewusst balanciert, bei aller klanglichen Körnigkeit fein geschliffen und gestaltet, ohne an Eindrücklichkeit einzubüssen. Schliesslich eröffnen sich, gerade zum Schluss hin, Inseln der Ruhe, der Selbstversenkung und des Nachhörens. Hier sind die Klänge sozusagen freigesetzt, folgen in ihrem Weg allenfalls einer inneren Logik, ohne zu zerfasern. Der oft und gern beschrittene Weg nachhaltiger Überwältigung, von Aum wird er nicht begangen.

Auns Album Motorsleep, gemastert von allzeit präsenten James Plotkin, bewegt sich geschmeidig an der Schnittstelle von Doom und Ambient. Es ist ein präzise gearbeitetes, eindrückliches Stück Musik voller innerer Spannung. Motorsleep ist so beileibe kein Befindlichkeitssoundtrack geworden, sondern eine wuchtige, auch erhabene Klangskulptur, ein dunkel glühender, feingezeichneter Monolith.

Anspieltipps: Motorsleep, Erzot, With Bows Bent, Neiges                      

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010


Architeuthis Rex, Dark As The Sea                                                                 

Utech, 2010 – 7 tracks, 64 Min.

Ambient: Immer wieder leg ich mir dann doch noch einen Tonträger zu. Sei es, weil es etwas Neues gibt von jemandem, dessen Musik bislang spannend und ergreifend war (was hier nicht der Fall ist). Oder weil das Label sympathisch ist –  wie hier: Utech -, sei es schliesslich, weil ein Sound anspricht und innere Saiten klingen lässt. Dabei klingt das doch seit Jahren schon alles ziemlich ähnlich: Zumeist Wohlfühlmusik für herabgestimmte Seelen. Ambient, eine Kunst der musikalischen Wohnungmöblierung: Etwas vage, ohne allzustarke Kontraste, mehr oder weniger milde abgedunkelt zu Rotweingenuss und Kerzenschein. Doch manchmal wird die Kerze dann doch ausgepustet...und das Glas in der Hand gilts gut festzuhalten. Hier auch? Das gilt es zu ergründen.

Architheutis Rex, ein Projekt von Antonio Gallucci, führt, tja, an die Ufer dunklen Ambients. Ein gewaltiger Beweger der Wasser wird heraufbeschworen. Mit grosser Geste rollen beunruhigende Klangfluten an unzugängliche Gestade. Gegenwart, was ist das schon... Hier wird in grösseren Dimensionen gedacht, Dimensionen, in denen sich allenfalls Naturgewalten beheimatet fühlen dürfen, aber nichts so kurzlebiges wie Mensch oder Zivilisation (ausser Elektronik, klar). Musik aus dem Abgrund der Zeit, insofern ist Dark As The Sea eine ziemlich typische Utech-Veröffentlichung. Undurchdringlich und fliessend, wie die inneren Stimmen eines planetaren Ozeans mit seinen Entitäten. Das kommt dann, als quasi uterine Erinnerung, beinah doch anheimelnd rüber, organisch flutend, als Einladung, sich treiben zu lassen und zu sinken, sich einzulassen bis zum Ende.

Architeuthis Rex: Ein dunkler Traum, geboren aus verhallten Erinnerungen, ausserirdischen Radioübertragungen, verkratzem Acetat und transformierten Echolotgeräuschen, beschwörendes Getrommel nicht zu vergessen: Antonio Galluccis abgründige Fantasien taugen allemal für sublime Wachträume. Das muss nicht schrecklich sein. Aber Verlorenheitsgefühl und reichlich Erstaunen kann dieses Album schon hervorrufen. Kaleidoskopisch treiben Erscheinungen vorbei, lassen Formen erahnen und verabschieden sich in phosphoreszierende Dunkelheit. Dieses Meer ist eine unfassbare Mutter.

Anspieltipps: Cephalopedie, We dream the seashore, Bbroke     

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010


Good For Cows, Audumla                                                                                 

Web of Mimicry, 2009 – 9 tracks, 50 Min.

Die Welt der Musik betrachten aus der Perspektive der Rhythmussektion (i. e. Bass u. Drums):

Das war der Ausgangspunkt, der Devin Hoff und Chess Smith über einen akustischen Beginn und inzwischen vier Alben zu ganz anderen Horizonten geführt hat. Bestand nämlich ihr anfängliches Interesse vorwiegend in der Beschäftigung mit Jazzgrössen wie Thelonious Monk oder Ornette Coleman, so vereinte sie bald auch die gemeinsame Begeisterung für Bands wie Black Flag oder Minutemen und verpasste ihrer Musik einen Schub nervöser Energie. Damit nicht genug, wurde auch Rhythmus- und Klangforschung auf den Spuren von Anthony Braxton oder Fred Frith betrieben. Da war es sicher gut, dass die Besetzung klein gehalten wurde und nicht auf profilierungssüchtige Sänger und/oder Gitarristen Rücksicht genommen werden musste.

Good For Cows untersuchen seit mehr als zehn Jahren die Stärken einer spärlichen Besetzung aus Drums und Bass, diesmal allerdings fett elektrisiert. Denn die musikalischen Interessen dieses Crustjazz-Duos wurden durch eine Diät aus Black Metall und harschem Lärm noch einmal angeschärft, ohne indes die Basis aus Coleman oder Frith aus den Händen zu geben. So badet auch Audumla, ihr vierter Tonträger, wie manch anderer heute, in finsteren Wassern. Ich verkneife mir an dieser Stelle ein Wortspiel mit dem Bandnamen, verweise aber darauf, das Chess Smith Drummer bei Jamie Stewarts Xiu Xiu ist und auch Devin Hoff dort mitspielte. Die Gelenkigkeit und Präzision, die beide dort unter Beweis stellen, prägen auch ihre Arbeit mit Good for Cows.

Der wandelbare Mr Smith werkt zudem ja bei Marc Ribot, Secret Chiefs 3 und solo als Congs for Brums – letztere gerade erst im K4 zu Gast.

Was also hinzukommt, ist natürlich der rabenschwarze Hintergrund schrundigen Geräuschs. Auf pure Instrumentalfarben reduziert, zeigt sich das muskulöse und angespannte Gerüst, das ansonsten gerne durch allerlei Effekt aufgehübscht und verschärft wird. Hier eben nicht. Auf Audumla gibt es dafür straffe Pulse, die immer mal wieder angezogen und losgelassen werden. Hier gibt es drönende, aber auch filigrane Arbeit am Bass, dessen elektronische Mutationen doch nie das Instrument und seinen untergründigen Gesang vergessen lassen. Auch Melodie darf sich entfalten, zu Skizzen eines Songs werden. Aber sie wird leichthändig fortgerissen vom Sog der Bewegung. Das wird dann Überschwang, Energie, selbstbewusste Zügellosigkeit. Auf Audumla ist recht ernsthafte Musik zu finden, die Komplexizität nicht scheut. Und es findet sich der Spass am Antreiben, am fliessenden in Gang setzen – und anhalten - von Musik, wie es in einer klassischen Bandbesetzung eben Drums und Bass gebührt. Hier zeigen Good For Cows, das es mehr dazu auch nicht braucht, wenn genügend Fantasie und Spielwitz dabei sind.

 

Anspieltipps: Fafnir, Legion, Secret Hobbies, Solfell (Mountains on the sun), The Last (When all bonds are broken)

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010

Emeralds, What happened                                                                                 

No Fun productions, 2009 – 5 tracks, 57 Min.

Schimmern und funkeln, manchmal auch blenden...Emeralds arbeiten mit Synthesizern und Gitarre und nennen Song, was doch grundsätzlich ohne Worte auskommt. Fünf dergestalte Improvisationen aus den Jahren 2007/2008 finden sich auf ihrem Album What Happened. Es erschien auf No Fun, dem Label des ebenfalls hoch umtriebigen Carlos Giffoni, zwischen Gitarrenlärm und elektronischem Klanggetüftel zuhaus. Das hier ist mehr die unaggressive Seite, auch wenn die Gitarre ihren deutlichen Part hat.

Das Trio Emeralds aus Cleveland arbeitet seit 2006 zusammen und hat eine schon fast unüberschaubare Anzahl an Produktionen angehäuft, oft als CDr, aktuell ist auch eine Veröffentlichung bei Mego dazugekommen. Ihre driftende Musik schreibt fort, was Cluster, Tangerine Dream, Conrad Schnitzler oder Terry Riley begonnen haben, ein bisschen Coil ist auch dabei und bewirkt zeitweilige Ungemütlichkeit.

Der ungeschützten Logik des Traums scheinen die Stücke zu folgen, Trips ins Innere, bei denen Alltägliches wie fremd aufscheint und doch immer präsent ist. Mit Mitteln der Vergangenheit, Korg und Moog, und neuen Ohren, um Brainwashed zu zitieren, erschafft das Trio seine ganz eigenen Welten aus Sound. Natürlich sind die Anklänge da, die Verweise auf Synthiepioniere und psychedelische Klangwogen, aber sie werden wie Werkzeuge verwendet.Das Album What happened speist sich aus zahlreichen Höreindrücken, die ihre eigene, neue Geschichte entstehen lassen. Pure, psychische Präsenz erwächst so aus den Instrumenten, die Mark McGuire, git - John Elliott und Steve Hauschildt, synths, in den Händen haben. Emeralds, Edelsteine werden aus der Erde geholt. Es liegt immer wieder auch eine Erdigkeit unter diesen Stücken, ausser vielleicht im leichtfüssigen track Up in the Air. Und das steht dem Album gut. Einmal mehr lag das Mastering bei James Plotkin. Emeralds Musik wird nie lärmig, aber Lautstärke kann ihrer Eindrücklichkeit nicht schaden. Ein paar nachdrückliche Riffs, einige wuchtige Drones: Es sind kraftvolle, bewegende und eigenständige Klanggebilde, die so entstehen.

Anspieltipps: Damaged Kids, Up in the Air, Living Room

Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010


Delaney Davidson – Self Decapitation

Mensch muss sich Delaney Davidson als ruhelosen Menschen vorstellen. Einer, der ständig rummacht, immer unterwegs ist, und auch beim Musikmachen nicht zufrieden ist, wenn er mit nur einem Instrument beschäftigt ist. Delaney Davidson hat all das, was eine gute One Man Band auszeichnet. Er ist eine Multitasking Persönlichkeit.

Delaney Davidson war zunächst einmal bei den Dead Brothers. Der Name sagt es schon: es handelt sich bei den Dead Brothers um eine Band, die den Mythos des einsamen Westens besingt; den morbiden, den verlorenen amerikanischen Westen mit Tumbleweed, dem vom Winde verwehten Strauchgezeugs, mit dem vertrockneten Gedärm toter Tiere in einsamer Landschaft und natürlich: mit ungesühnten Verbrechen.

Delaney ist mit dieser Leidenschaft für eine uramerikanische Tradition in bester Gesellschaft mit alten Bluesern, aber auch von Nick Cave und Tom Waits. Wie diese beiden ist Delaney gekleidet im Schick des Leichenbestatters. Mit Anzug unter geschniegelter Frisur, spitzen Schuhen und einem ernsten Gesicht dazu.  Mörderballaden - das zeigt die Erfahrung - machen sich dann am Besten, wenn die Interpreten entweder selbst am Ende sind. Oder ihr Ableben schon mal vor Augen hatten. Zumindest als romantisch-literarische Vision.

"Ghosts Songs" hieß Delaneys erste Platte. Die zweite, seine neue "Self Decapitation". Selbstenthauptung. Nicht schön erstmal. Aber natürlich passend und nur eine süffisante Anspielung auf etwas schräge Zirkus- und Varietenummern anderer Einzelunterhalter.  

Delaney spielt Lap Steel, Klavier oder Trompete. Aber wenn er solo auftritt, dann reichen ihm  Gitarre, Mikrophon und der Flaschenhals, der über die Seiten heult. Die Gitarre und er singen die Lieder vom Staub auf den Straßen. Und wenn er dazu tanzen will, dann loopt Delaney, was er gerade gespielt und gesungen hat, um dann mal eben den Ausfallschritt auf der Bühne zu demonstrieren. Eine One Man Band eben. Egal, wo mensch Delaney hinstellt: Dieser Mann macht aus jedem Etablissement eine gut abgehangene Schieberkaschemme. Und tanzen kann mensch zu seiner Musik immer.

Delaney Davidson ist 1972 in Neuseeland geboren, als Koch in der Schweiz gelandet. Es kamen Touren mit den Dead Brothers, dazwischen hat er seine Rastlosigkeit in Italien, Deutschland, den USA und Neuseeland gepflegt. Sprich ein Album aufgenommen: Nicht alleine, sondern mit vielen Freunden. Die macht er sich ständig und immer neue kommen dazu. Sein Ruf als begnadeter Songwriter wird allmählich überlappt von dem als begnadeter Entertainer. Aber eines ist geblieben: Delaney Davidsons Musik ist so Lo-Fi geblieben, wie es der schon etwas verblichene Mythos vom einsamen Helden eben auch verlangt.

Delaney Davidson erschafft eine Sound-Landschaft, ohne jemals aggressiv zu wirken oder seine Songs in hohem Tempo vorzutragen. Was diese Atmosphäre kreiert, ist vielmehr die etwas ungewöhnliche, unangepasste und manchmal auch anarchistische Zusammenstellung der Instrumente und Arrangements. Wobei wir wieder bei Tom Waits zu Zeiten von "Swordfishtrombones" (1983) angelangt wären. Irgendwo sind die Grundstrukturen dann doch alle im Country, im Blues. Bei vielen Songs verliert sich die Orientierung, ob mensch im Himmel oder in der Hölle gelandet ist. Wohlfühlen tut mensch sich trotzdem dabei, ganz einfach weil Delaney Davidson trotz so mancher ungewöhnlichen Sounds immer hochmelodisch vorgeht.

Es gibt sehr viel zu entdecken auf "Self Decapitation". Die CD ist bei Voodoo Rhythm erschienen. Mensch kann bedenkenlos zugreifen und sich in dieses elf Songs umspannende Abenteuer stürzen. Mir macht diese Scheibe auf jeden Fall Höllenspaß …

Achim Pflaum für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010


  The Bundles

The Bundles das sind vor allem – Kimya Dawson und Jeffrey Lewis. Sie machen klar, warum Antifolk mal Hoffnungsträger von Indie war.

Die Band gibt es schon seit 2001, also seit dem Jahr, in dem die Moldy Peaches ihr großartiges Debüt veröffentlicht haben. Und doch hat es fast zehn Jahre gedauert, bis die
Bundles ihr erstes Album verwirklicht haben. The Bundles, das sind Kimya Dawson und Jeffrey Lewis im Duett, begleitet von Jeffreys Stammband. Obwohl der Antifolk-Komet längst verglüht ist, kommt hier noch einmal eine Ahnung davon auf, warum sich vor zehn Jahre fast alle Indie-Hörer bedingungslos berauscht vor Glückseligkeit in die Arme der Moldy Peaches geworfen haben.

Es gibt genügend Perversitäten und Freaks auf dieser Welt. Da darf gefragt werden, ob es notwendigerweise auch perverse und freakige Songs braucht? Die Antwort lautet: Ja! Künstler der New Yorker Anti-Folk-Szene bringen uns diese Einsicht 2002 näher. The Moldy Peaches, die Kymia Dawson mit Adam Green gründet, oder Jeffrey Lewis stehen in vorderster Front der rebellischen Lo-Fi-Hymnen. weiterlesen

Kimyas Gesangs- und Tanzpartner Adam wird in Deutschland seit 2003 mit seinem Soloalbum "Friends Of Mine" gefeiert. Da wird es Zeit, dass seine charmante Kollegin mit ihren p(r)unkvollen Solo-Schmuckstücken mehr in den Vordergrund rückt. Mittlerweile in ihren 30igern, veröffentlicht Kimya unermüdlich Homerecordings und präsentiert kindliche Unschuld an der Gitarre.

Besonders gerne geht sie auf ausgedehnte Konzertreisen und schließt überall auf der Welt Freundschaften. Frank Black von den Pixies nennt sie deshalb nur noch "Road Warrior". Zu den treuen Reisebegleitern gehören u.a. Lewis, Daniel Johnston und They Might Be Gigants, mit denen auch gemeinsame Songs entstehen.

Wird ihren Soloalben gelauscht, schließt mensch sofort Freundschaft mit Kymia Dawson. So viel Offenheit über die eigentlich schönste Sache der Welt erfährt sonst nur der engste Freundeskreis. Kimya kennt, wie in der Anti-Folk-Szene üblich, anscheinend keinerlei Berührungsängste. So umarmt sie auf den Moldy Peaches-Gigs jede einzelne Person im Zuschauerraum. Das mag für den einen "Hippie" sein, für den anderen ist es vielleicht das Schönste, was ihm in dieser Nacht widerfährt.

Die Fans bedanken sich jedenfalls stets mit warmen Worten und glücklichen Gesichtern - und fühlen Seelenverwandtschaft. Da gibt es schrullig-aussehende Singer/Songwriter aus New York, die tatsächlich dieselben Träume und Ängste haben und diese in lustigen Kostümen und aufwendigen choreographischen Tanzeinlagen auch noch ausdrücken.

The Bundles -noch einmal zur aktuellen Scheibe. Ich zitiere: „Dieser knatschige Gesang von Jeff Lewis, eine Mischung aus Kermit und Lou Reed, gepaart mit Kimyas zurückhaltendem Genuschel, lässt einen sofort an das damalige Traumduo Dawson und Green denken – Velvet-Underground-Coolness gepaart mit kindlichen Keyboard-Melodien, eine Mischung, auf die man wie der Pawlow’sche Hund sofort mit Sympathie-Reflexen reagiert. Obwohl die Produktion relativ flach und dünn ist – kein Vergleich mit der Intimität des Moldy-Debüts –, springt hier noch einmal der Funke über. Bitte auf Tournee kommen!“ Schreibt Martin Büsser im Intro. Könne wir uns anschließen. Die CD ist bei KLF erschienen.

Achim Pflaum für ZORES auf Radio Z, 3.8.2010