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Zores: Musik abseits aller Hörgewohnheiten Jeden 1. Dienstag im Monat 21 - 24 Uhr bei Radio Z 95,8 MHz |
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Rocket
/ Freudental,
Die Meisten Irren
Hafenschlammrekords, 2011 LP/CD - 11 Songs + 4 Jingles, 41 Min. Aufm
Weg von den Goldenen Zitronen zum Stadionrock in Stuttgart hängengeblieben
- nein, gar durchaus wieder etabliert, zu eigener, strenger Schönheit
erblüht: Rocket/Freudental, Wurzeln im Hardcore nicht zu vergessen,
gedüngt später mit low-fi trash und Spuren von Country. Was
dazukommt, sind rauer Minimalismus und ein Päckchen Wut. Die Sprache
der sog. Provinz ist derbe, die musikalischen Vorlieben bodenständig.
Und nicht zuletzt kann dort sogar dem verrufenen Hippietum Positives
abgewonnen werden: Rocket/Freudental machen sich womöglich einen
Spass draus, gängige Erwartungen und unterstellte Verbote zu
unterlaufen. Sie kennen das. Und
sie wissen, was sie tun. Die Meisten Irren, so der Titel des aktuellen
Albums von R/F steht ziemlich quer zu allerlei angesagter Musik. Es
entdeckt die Freuden des Gitarrensolos für sich, auch wenn mangels
eigenen Vermögens ein grandioser Gast (Hans-Jörg "Ali"
Greiner) diesen Part übernehmen muss. Dafür gibts diese eigenartigen
musikalisch-geräuschhaften Einsprengsel. Und die lapidaren, oft genug
zeilenweise zitierbaren Texte zwischen zeitlich überdehnter Pubertät
und melancholischer Gelassenheit, Rollenprosa nicht zu vergessen. André
Möhl: Den Rio Reiser kann er auch. Und Schorsch Kamerun als weiterer
gesanglicher Fixpunkt geht sowieso in Ordnung. Der Rest ist Eigenes,
wie einer so singt ohne Anspruch auf überbordende Musikalität. Das
aber klar artikuliert und in schönen geschnitzten (darf mensch das
sagen?) Sätzen. Das ist unterfüttert mit Allerweltsweisheit und
gerechtem Zorn, bissig auch und zuweilen poetisch. Robert Steng, der
Partner im Duo, setzt darunter eben ein Fundament, das grundsoliden
Rock´n´Roll ebenso einschliesst wie zugespitzten Bluesrock oder
besonders zu Beginn, knackigen, knochentrockenen Punk. Ja, zum Ende zu
wirds beseeligt, das sind dann auch leicht merkwürdige
Instrumentaleinlagen an den Ohren vorbeigezogen. Die Meisten irren.
Kein Album aus einem Guss. Die musikalische Tendenz geht letztlich zum
mit Liebe bedachten Gitarrensolo. Die Texte kommen, im Guten wie im Bösen
und Verbohrten, weiter von unten (cf Günter Wallraff), nähern sich
dem Punkt (Kapitalismus) von allen Seiten und reimen sich zu Versen,
so gut es geht. Anspieltipps:
Die
Wohlgereiften Alten, Witz komm raus, Pferde, Meine Eltern haben ein
Fischrestaurant in St. Peter Ording, Ich bin eine Katastrophe, Bitte
warten Sie Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 1.5.2012 Elfin
Saddle, Devastates
Constellation, 2012 - 8 Songs, 43 Min. Das
in Eins verwachsene Vogelbündel auf dem Cover steht auch für
anderes, ruft spätestens nach dem ersten Hören zumindest die
Assoziation Schräge Vögel auf: Elfin Saddle haben ihr drittes Album
am Start. Dessen Titel: Devastates lässt eineN auch ein wenig verstört
zurück - vielleicht auch verheert und/oder schlicht umgehaun. Vom
Einfallsreichtum, der Vielgestaltigkeit, dem schrägen Gesang oder
hymnisch angehauchten Melodien. Die
Verheerungen, die Elfin Saddle thematisieren, liegen im Spannungsfeld
von technischer Zivilisation und Natur begründet. Die Einbeziehung
von klingenden Fundstücken in den wuchernden Klangkosmos des Albums
verweist darauf. Und doch ist es natürlich DIY Folk der abgedrehten
Sorte, voller Anmut, Hoffnung und Liebe zu klanglichen Details. Das
eine ist vom anderen nicht zu trennen, auch wenn es gut möglich ist,
sich in den Tiefen dieser Musik zu verlieren. Aber delirierender
Escapismus, wie in weirdem freefolk oder Vergleichbarem, ist nicht
Sache dieser Montrealer Band. Hinter den drones, Refrains und der
meist filigranen Instrumentierung stecken waches Bewusstsein und
klarer Blick. Elfin Saddle besteht zunächst aus den MusikerInnen Emi
Honda und Jordan McKenzie, die singen, Honda dabei auch auf japanisch
und diverse Instrumente bespielen, von Gitarre und Ukulele bis zum
Half-Accordion und der Singenden Säge, Schlagwerk sowieso. Dazu
kommen Bassist und Tubaspieler Nathan Gage und die Cellistin Kristina
Koropecki. Anfangs oft schlicht, später bedrängend und
leidenschaftlich, stets funkelnd und archaisch kommen die Songs
einher, die in einer leerstehenden Kapelle in der Peripherie
eingespielt wurden. Alles unmittelbar Eingängige wird regelmässig
auf Haaresbreite verfehlt, auch darin liegt die Kunst von Elfin Sadle.
Die Nachhaltigkeit, die ein Anliegen der Band ist, eignet diesen Songs
auf alle Fälle. Was in ihnen eingeschrieben ist, hat möglichen
Verfall und Neuerungsmanien aufs Beste überstanden. Hört hin, hört
oft und auch mal laut! Anspieltipps:
The Changing Wind, Kiboho, Chaos
Hands, Invocation, In a Blanket of Leaves
Hans
Plesch für ZORES auf Radio Z, 1.5.2012 Felix
Kubin, TXRF
it´s,
2012 - 10 trx, 44 Min. Grade
gabs die proma Werkschau zum Schaffen von felix Kubin (Bruder
Luzifer), schon steht Neues ins Haus. Das Album trägt den kryptischen
Titel TXRF, das Cover zeigt in feiner Gestaltung ein physikalisches Phänomen.
TXRF: 'Totalreflexions-Röntgenfluoreszenzanalyse'. Hinter dem
Wortungetüm steckt eine Methode zur Materialuntersuchung, bei der die
Röntgenstrahlen besonders flach einfallen. So ist diese
Vorgehensweise, die vor allem in der metallverarbeitenden Industrie
angewandt wird, besonders genau und gibt Auskunft über Menge und Art
der Elemente, ohne die Probe zu verunreinigen oder gar zu zerstören.
Felix Kubin hat diese Röntgenstrahlen in unterschiedlichen Varianten
mit einem Filter, einem Synthesizer und einem Sequenzer kombiniert und
so zehn spannende elektronische Miniaturen zwischen Spartechno und
Hobbykeller produziert. So heisst es zumindest. Und wenn diese Erklärung
ein Fake ist, dann jedenfalls ein adäquater. Natürlich gibts im
Bereich ernsthaft betreibener elektronischer Spielereien kaum etwas,
das Kubin nicht unternommen hat. TXRF bündelt denn auch ein Sträusschen
feinsortierter purer Electronica. Lt De:Bug listet die
Multielementanalyse mindestens folgende Spuren aus: Inländischer
Pyrolator, Kontakt zu Stockhausen, Kraftwerk in 2D, der Geist von Zero
Gravity, ein Tick Detroit, ein Trick Pink Floyd...kurz, ein kleines
Manual abstrakter elektronischer Genres, das konsequent in freiem
Spiel von Elektronen endet. Anspieltipps:
Total (2) Reflection (1), Reflection (2), Fluorescence Hans
Plesch für ZORES auf Radio Z, 1.5.2012 Static,
Freedom
of Noise
Karaoke Kalk, 2011 - 10 tracks, 47 Min. Statics
neuestes Album Freedom of Noise wird mit einiger Verspätung
nachgereicht, ist aber auch mit Abstand spannend und hörenswert. Das
mal vorweg. Static
ist das Soloprojekt des hoch umtriebigen Hanno Leichtmann, den ganz
alte ZORES-HörerInnen vielleicht noch als Beteiligten von Ich
Schwitze Nie in Erinnerung haben. Static lotet die Möglichkeiten
geloopter Musik aus, mit einem Schlag hin zu melancholischem Pop. Eine
Reihe von Veröffentlichungen hinter sich, beschloss Hanno Leichtmann
zuletzt, in diesem Rahmen etwas Neues auf die Beine zu stellen.
Statics aktuelles Album Freedom of Noise ist somit unversehens auch zu
einer Begegnung mit der Impro-Scene geworden. Forest
Jackson als weiteres Soloprojekt Hanno Leichtmanns sowie Groupshow als
Trio waren einige der weiteren Aktivitäten, indes der Berliner
Musiker Stoff für dieses Album sammelte. Ein einschlägiges Festival
brachte ihn dann auf die Idee, Improvisationsmusiker einzubeziehen und
sie in einem merklichen Popkontext spielen zu lassen. Die
Harfenistin Clare Cooper, Trompeter Axel Dörner und Saxofonist Tobias
Delius waren schnell überzeugt. Auch die weiteren Beteiligten lesen
sich wie ein who´s´who der freien Szene: Sabine Vogel an Flöten,
Kollege Nicholas Bussmann, Cello, der Vokalist David Moss, Andrea
Neumann im Klavier, Magda Mayas, Orgel - um nur einige der weiteren
Beteiligten zu nennen, die an einem oder mehreren Stücken mitspielen.
Auch Vokalparts wurden vorgesehen, wir hören bei Bedarf Yanira Castro
und Falko Teichmann. Diese
bunt gemischte Truppe bringt die repetitive Musik von Static leichthändig
und präzise mit den expressiven Möglichkeiten der Gastmusiker
zusammen. Static als (Big-)Band funktioniert, ums so zu sagen,
ausgezeichnet. Der Sound ist ungemein vielfältig und farbig, die
Loops bilden ein elastisches Gerüst, das auf vielfältige Weise
umrankt wird. Das Album öffnet sich in die unterschiedlichsten
Richtungen: melancholischer Ambient ist ebenso zu hören wie leichtfüssiger
Pop, Geräuschhaftes weht herein und unter (oder über) allem läuft
die selbstvergessen atmende Bewegung der von Hanno Leichtmann
angestossenen Loops. Die
Freiheit des Geräuschs beinhaltet so selbstverständlich auch Schönklang,
Grazie und heitere Empfindung. Anspieltipps:
Stubby Fingers,
Freedom of Noise, The Heimlich Manoeuver, Collage, Holz Papier 2
Hans Plesch für ZORES auf Radio Z, 1.5.2012 |